
Dirk Müller über Konsum und Schulden
Von Dirk Müller, Reilingen
Wir bewegen uns in einer Wirtschaftswelt, die davon lebt, dass die Menschen immer schneller immer mehr konsumieren. Nur so kann diese Wirtschaftsform, die wir zum Leben erweckt haben, funktionieren.
Gut, eines Tages muss das in der Katastrophe enden, aber bis dahin wird alles unternommen, damit das System funktioniert. Und dafür müssen Sie konsumieren.
Da Ihr Einkommen, so gut es auch sein mag, nicht ausreicht, um den zusätzlichen Konsum zu erzeugen, den das Zinseszinssystem benötigt, muss dieses System dafür sorgen, dass Sie Kredite aufnehmen, um schneller konsumieren zu können.
So wurde das negativ besetzte Wort “Schulden” langsam, aber zielgerichtet aus dem Sprachschatz entfernt. Heute wird von “Darlehen”, “Konsumentenkrediten” und “vorgezogenen Investitionen” gesprochen.
Sie haben bei Ihrer Bank keine Schulden, sondern Sie haben “Kredit”. Das Wort “Kredit” ist positiv besetzt. Kredit hat man doch viel lieber als Schulden, die für Schuld stehen, nicht wahr?1 (…)
Wieso eigentlich sollen Sie sich alle drei Jahre ein neues Auto kaufen, obwohl das alte noch läuft? (…) Warum soll ich etwas entsorgen, was tadellos funktioniert, technisch und optisch einwandfrei ist und meine Bedürfnisse absolut erfüllt? (…)
Haben Sie den Mut zu sagen: Nein! Ich mache das nicht mit!
Das hat nichts mit “Geiz ist geil” zu tun, sondern mit dem gesunden Menschenverstand. Natürlich können Sie sich einen Pappbecher Kaffee für vier Euro leisten, aber warum sollten Sie das tun? (…)
Ist “schneller, höher, weiter” wirklich das Nonplusultra? (…)
Wie sieht es mit Ihrer Zeit aus? Haben Sie Zeit? Kennen Sie jemanden, der Zeit hat? Wenn ja, ertappen Sie sich dabei, dass Sie denjenigen deswegen abschätzig betrachten? “Hat wohl nichts zu tun? Ach, so ein Leben wollte ich auch einmal haben!”
Warum haben Sie es eigentlich nicht? Wir haben alle gleich viel Zeit, nämlich 24 Stunden, jeden Tag. Aber was machen wir damit? Verwenden wir die Zeit zum Glücklichsein und Genießen, oder hetzen wir nur von einem “wichtigen” Termin zum nächsten?
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Ich empfehle jedem Dirk Müllers Buch Crashkurs: Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance?. Dirk Müller ist einer der wenigen, die mit den Finanzmärkten ihr Geld verdienen und trotzdem in der Lage sind, die tieferen Zusammenhänge zu hinterfragen und anderen in verständlichen Worten zu vermitteln.
1 Daher wird auch davon gesprochen, kreditwürdig zu sein. Das hat was mit Würde zu tun und man ist würdig genug, Kredit zu bekommen. Kredit kommt vom lateinischen credere: glauben, Vertrauen schenken. Man ist also glaubwürdig, und das ist doch etwas Positives. ↩
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