
Jede Medaille hat zwei Seiten
Von Alex Rubenbauer, Nürnberg
Manche beschweren sich darüber, dass man früher sein Leben lang in einem Beruf bleiben konnte und das sogar in der selben Firma. Heute dagegen “müsse” man mehrfach seine Berufe, seine Arbeitgeber und seine Wohnorte wechseln. Bei letzterem stimme ich zu, dass das problematisch sein kann, und ich sehe auch den Vorteil der Stabilität.
Ich sehe aber auch den Vorteil, dass man ganz neue Perspektiven haben kann, dass man nicht mehr komisch angesehen wird, wenn man gerne mehrere unterschiedliche Berufe in seinem Leben ausgeführt haben will, und in diesem “Chaos” haben dann auch Quereinsteiger bessere Chancen als früher.
Hier lässt sich meiner Meinung nach ein grundsätzliches Lebensprinzip ableiten: Genießt man Vorteil A, muss man gleichzeitig Nachteil B hinnehmen. Ist wiederum gerade Vorteil C an der Reihe, wird man Nachteil D akzeptieren müssen.
Ist man beispielsweise in einer Partnerschaft gebunden, kommt die Nähe und Wärme mit dem Nachteil der Verantwortung und Abstrichen bei der Freiheit. Ist man alleine, genießt man endlose Freiheit, mit dem Nachteil, keinen so engen Vertrauten zu haben.
Es ist nie alles schwarz oder weiß. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Und jeder Vorteil bringt einen anderen Nachteil mit sich und umgekehrt.

Sich selbst etikettieren
Von Alex Rubenbauer, Nürnberg
Jeder hat manchmal Ängste, im einen Bereich weniger, im anderen mehr. Ängste dienen dazu, sich vor Gefahren zu schützen. Die Gefahren können ganz real sein, wenn man aber die Ängste erst einmal gelernt hat, treten sie auch auf, wenn die Gefahren längst nicht mehr bestehen oder zumindest nicht mehr in dem Ausmaß.
Man kann Symptome, die einem zeigen, dass etwas nicht stimmt, dass es da einen inneren Konflikt gibt, bestimmt auch irgendwas zuordnen, zum Beispiel einer bestimmten Angststörung, und dann denken, man sei eben so. Um diese Symptome und die Angst loszuwerden, kann man versuchen, die Angst zu konfrontieren, und Dinge tun, die man gar nicht tun will, einfach weil man denkt, dass man sie wollen würde, wäre die Angst nicht da, oder was auch immer einen persönlich plagt.
Und genau hier liegt die Gefahr von Etiketten: Man beginnt zu glauben, man sei so, wie es das Etikett vorgibt, und man müsste sich demnach so verhalten. Wer sich aber zu sehr in das Etikett “versteift”, geht davon aus, dass jedes Symptom seine Ursache zum Beispiel in der Angst hat, und vergisst dabei zu differenzieren, ob es sich vielleicht um simple Unlust handelt, die die Symptome hervorruft.
Wer bestimmte Dinge nicht tut, weil er Angst vor ihnen hat, neigt dazu, zu glauben, dass er, sobald er die Angst überwunden hat, alles tun könne und bestimmt auch wollen würde, was er jetzt nicht kann. Das ist aber ein Irrtum. Viele Dinge kann man auch ohne Angst nicht, und muss sie erst lernen, ganz wenige Dinge kann man vielleicht auch ohne Angst niemals lernen, und auf die meiste Dinge hat man überhaupt keine Lust, obwohl man keine Angst vor ihnen hat.
Es gibt Menschen, die können in keinen Bus einsteigen, weil sie Angst davor haben. Aber bedeutet das, dass deshalb jeder, der keine Angst davor hat, die ganze Zeit mit Bussen hin und herfährt, einfach weil er es theoretisch könnte? Natürlich nicht.
Selbstetikettierung macht mehr Schaden als Nutzen, denn sie setzt einen unter einen gewissen Druck, sich entsprechend der Eigenschaften, die einem das Etikett zuschreibt, verhalten zu müssen. Aber die Welt ist nicht schwarz oder weiß.
Selbstetikettierung kann helfen, wenn man etwas an sich selbst nicht versteht, weil man anhand der Aufschrift des Etiketts recherchieren kann, woher etwas kommen kann und welche Folgen das typischerweise hat, oder wenn man sich unbedingt einer Gruppe Gleichgesinnter zuordnen möchte. Man kann also ein Etikett nachschlagen und lernt einiges über sich.
Selbstetikettierung schadet aber, wenn man glaubt, deshalb exakt so sein und sich dementsprechend verhalten zu müssen, wie es das Etikett vermeintlich vorschreibt.

Wie man sich bettet so liegt man
Von Alex Rubenbauer, Nürnberg
Kritik kommt bei den meisten Menschen stärker an als sie vom Absender abgeschickt wurde. Sie kann je nach Mensch und Situation um ein unterschiedliches Vielfaches stärker empfunden werden als beabsichtigt.
Wie stark das ankommt war mir lange Zeit nicht wirklich bewusst. Obwohl ich selber sehr feine Antennen für Kritik habe, bin ich ein sehr direkter Mensch. Und ich mag direkte Menschen, bei denen klar ist, was sie denken und was sie erwarten, das aber deshalb trotzdem entspannt rüber bringen, und die im Gegenzug auch in der Lage sind Widerspruch, Feedback und Erklärungen wie z. B. andere Sichtweisen zu respektieren.
Was mich erstaunt, ist, wie leicht sich Leute verscheuchen lassen. Ein Freund von mir hat monatelang nicht mehr mit mir gesprochen, weil ich zu verstehen gegeben habe, dass er sich aus meiner Sicht daneben benommen hat.
Eine Bekanntschaft, die ich sehr geschätzt habe, hat offenbar die Wahrheit nicht hören wollen, dass sie ganz offensichtlich unter ihrer Beziehung zu einem notorischen Fremdgänger leidet und besser bedient wäre, den Stecker zu ziehen. Seitdem herrscht Funkstille. (Vielleicht hat sie die Stecker vertauscht?)
Generell kann es sehr aufschlussreich sein, nicht nur eine Person an sich zu beobachten, sondern auch, wie ihr Umfeld aussieht und mit wem sie sich umgibt.
Ein Narzisst, der sich immer im Vordergrund sehen will, aber keine Kritik verträgt, wird sich mit schüchternen Ja-Sagern umgeben, die ihm nicht die Show stehlen und ihn nicht kritisieren – schon gar nicht vor anderen.
Umgibt sich jemand nur mit eher “kindischen” Personen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er selber noch nicht besonders reif ist, ziemlich hoch, ganz gleich welchen Eindruck die Person an sich auch vermitteln mag (oftmals täuscht der Eindruck ja selbst “sensiblere Antennen” viel zu lange).
Führt jemand eine Beziehung zu jemandem, der ihn im Grunde nicht respektiert, sagt das auch viel über ihn aus, nämlich dass sein Selbstwertgefühl zu gering ist, um die Farce aus eigenen Stücken zu beenden.
Dieses Verhalten ist besonders häufig in Erstbeziehungen anzutreffen, da dort die Verlustangst noch besonders groß ist, weil man nicht weiß, wie so eine Trennung ablaufen könnte und was dann mit einem passiert – währenddessen und danach. (Tipp von mir: Schlimmer als eine miese Beziehung ist eine Trennung in keinem Fall.)
Das beschissene Bekannte wird dem – oftmals mit großer Wahrscheinlichkeit besserem – Unbekannten leider viel zu häufig vorgezogen. Diese Tatsache manifestiert sich nicht umsonst in einem der Lieblingssprüche des Deutschen, der “lieber den Spatzen in der Hand als die Taube auf dem Dach” hat.
Zusammengefasst kann man also sagen:
- Kritik lieber erstmal zurückhaltender vorbringen, es sei denn man will sich ohnehin nicht mit Leuten umgeben, die klare Worte nicht vertragen. (Klare Worte heißt natürlich nicht, dass man deshalb beleidigend werden kann o. Ä., sondern nur, dass man möglichst objektiv “die Wahrheit” spricht, oder was man eben dafür hält, ohne um den heißen Brei herum zu reden oder sie gar zu verschweigen.)
- Beziehungen zu Energievampiren, überkritischen Personen, Leuten, die dauerhaft mehr nehmen als sie geben, sowie Beziehungen zu nicht authentischen Personen sind zu meiden.
- Mit wem sich eine Person umgibt sagt oft viel über ihren Charakter aus.

Der Begriff vom Selbstwert
Von Alex Rubenbauer, Nürnberg
Manchmal neigen wir dazu, unser Selbstwertgefühl daran festzumachen, welchen “Wert” wir von anderen beigemessen bekommen. Erfahren wir Zuspruch und Begeisterung, fühlen wir uns gut, erfahren wir Ablehnung oder auch einfach nur Gleichgültigkeit, gerät unser Selbstbild ins Wanken und wir fühlen uns schlecht.
Der Selbstwert ist aber der Wert, den wir uns selbst geben, sonst müsste er Fremdwert heißen. Wir können uns diesen Selbstwert also auch dann zusprechen, wenn wir Ablehnung erfahren, denn Ablehnung hat nichts mit unserem Wert als Mensch zu tun.
Ablehnung kann viele Gründe haben. Vielleicht hat unser Gegenüber gerade keine Zeit, Lust oder Nerven, vielleicht fühlt sich sogar unser Gegenüber unzulänglich. Es kann aber auch an einem bestimmten Verhalten liegen, das wir an den Tag legen. Dann erfahren aber nicht wir als Person Ablehnung, sondern im Prinzip nur unser Verhalten, bzw. noch genauer, die Interpretation unseres Verhaltens durch das Gegenüber.
Wenn wir eine Leistung erbracht haben, die nicht unseren Vorstellung entsprach, ist lediglich die Leistung nicht gut genug gewesen, nicht wir als Mensch. Vielleicht hätten wir einfach noch ein paar Tage länger Zeit gebraucht, oder wir konnten uns in der Prüfung schlechter als üblich konzentrieren, oder der Lehrer hat übertrieben schlecht bewertet, weil er gerade Ärger mit seiner Frau hat.
Nicht unsere Leistungen, unser Besitz oder unsere Fähigkeiten bestimmen unseren Selbstwert. Sondern wir sind alleine schon deshalb wertvoll, weil wir sind. Darüber hinaus kann, muss aber nichts geleistet werden.
Angst – und eben auch die Angst vor Selbstwertverlust – ist die Krankheit unserer Zeit. Und solange wir an Angst, Ärger oder Besitz festhalten, können wir nicht frei sein.

Anhaften an Angst, Ärger und Besitz
Von Alex Rubenbauer, Nürnberg
Solange wir an Angst, Ärger oder Besitz festhalten, können wir nicht frei sein.
Unsere Angst hält uns gefangen. Wenn wir aus Angst, zum Beispiel vor Selbstwertverlust, etwas nicht machen oder sogar schlechter machen, weil die Angst uns lähmt, sind wir gefangen. Wir lassen uns Chancen entgehen und können uns nicht frei bewegen.
Unser Ärger hält uns gefangen. Er hält uns davon ab, das überwiegende Gute zu sehen, und die Ursache unseres Ärgers wohnt mietfrei in unserem Kopf, ohne dass irgendjemand einen Nutzen davon hat. Wir leiden mehr, als derjenige, auf den wir zornig sind.
Unser Besitz hält uns gefangen. Wenn wir glauben, ohne Besitz weniger wert zu sein oder nicht überleben zu können, leiden wir und wir irren. Man benötigt nur wenig Besitz für ein gutes Leben und extrem wenig zum überleben. Haben wir zu viel, werden wir davon erdrückt und kommen nicht voran.

