
Welche Psychotherapieformen gibt es?
Von Andrea Jolander, Baden-Württemberg
Damit der Psychologische Psychotherapeut seine Leistungen mit der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen kann, ist es erforderlich, dass seine Ausbildung in einer der folgenden Psychotherapieverfahren erfolgt ist: Verhaltenstherapie, Psychoanalyse in Form der Analytischen Psychotherapie oder Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Es bleibt zu hoffen, dass bald zumindest auch noch die Personzentrierte Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers anerkannt wird.
Ich habe bereits angekündigt, einen Artikel darüber verfassen zu wollen, was diese drei psychotherapeutischen Richtungen ausmacht. Als ich vor einigen Tagen Andrea Jolanders Buch Da gehen doch nur Bekloppte hin gelesen habe, ist mir jedoch aufgefallen, dass ich sie einfach zitieren könnte, denn sie hat das viel besser beschrieben, als ich das aus meiner aktuellen Warte hätte tun können. Los geht’s:
Die Psychoanalyse
Das älteste psychotherapeutische Verfahren mit etwa einhundert Jahre auf dem Buckel ist die Psychoanalyse, die von Sigmund Freud begründet wurde. Sie ist zugleich die Therapieform, die die meiste Zeit in Anspruch nimmt. In der Regel dauert sie einige Jahre, manchmal mit mehreren Sitzungen pro Woche.
Die Psychoanalyse wird für Menschen angeboten, die das Gefühl haben, schon immer an sich selbst, ihren Verhaltensweisen und ihrem Leben gelitten zu haben.
Es gibt noch immer die klassische Form, bei der der Patient auf einer Couch liegt und der Therapeut neben ihm am Kopfende sitzt. Aber auch in der psychoanalytischen Behandlung ist es mittlerweile häufig so, dass Therapeut und Patient einander gegenübersitzen.
Hier einige Brocken “Psychoanalytisch”, die wir später noch gut werden brauchen können: Das, was bei vielen Patienten nicht leben darf, alles Spontane, wird in der Psychoanalyse Es genannt.
Meist sitzt es eingesperrt in dem bereits erwähnten Abstellraum im Keller. Da einem nicht bewusst ist, dass es dort eingesperrt ist, nennt man dieses innere Kellergeschoss auch das Unbewusste.
Man könnte das Es mit einem Kind vergleichen, das lebendig und spontan ist, aber auch wild und unberechenbar, weil es noch nicht gelernt hat, seine Impulse zu kontrollieren.
Oben im Dachstübchen wohnt ein häufig etwas unangenehmer Zeitgenosse, den die Psychoanalytiker das Über-Ich nennen. Das ist der, der sich bestens mit allen Regeln auskennt, der einem aber auch mit Abwertungen und Beschimpfungen in den Ohren liegt.
Bei unseren Patienten gibt das Über-Ich meist den Ton an, und das Es hat kaum etwas zu melden. Deshalb muss das eingesperrte Es durch Klopfzeichen auf sich aufmerksam machen. Das sind die Symptome, die der Patient wahrnimmt und die ihn quälen.
Es gibt auch Menschen, bei denen das Es mehr zu sagen hat als das Über-Ich. Die kommen eher nicht in Psychotherapie, sondern ins Gefängnis. Bei ihnen ist der “Das tut man nicht”-Teil unterentwickelt, und der Teil mit der mangelnden Impulskontrolle regiert im Haus.
Normalerweise besteht die Rolle des Therapeuten unter anderem darin, dem Über-Ich erst einmal den Schnabel zu stopfen und sich anzuhören, was das Es zu sagen hat.
Damit das Zusammenleben im Zukunft besser klappt, auch zwischen den Sitzungen oder nach dem Ende der Therapie, beauftragt der Therapeut damit den Mieter des Zwischengeschosses, einen gewissen Herrn Ich. Der soll dafür sorgen, dass das Über-Ich und das Es Kompromisse miteinander schließen.
Dass das Über-Ich nicht so viel meckert, dass andererseits aber auch das Es den Patienten1 durch seine spontanen Aktionen nicht in Teufels Küche bringt.
Von diesem Haus und seinen Bewohnern haben die meisten Patienten auch nach erfolgreicher Therapie nie etwas gehört. Ich habe Sie jetzt sozusagen hinter die Kulissen und ins Therapeutenhirn schauen lassen.
In der Psychoanalyse versucht der Therapeut, in Kontakt mit den unbewussten Teilen des Patienten zu kommen. Er ermutigt ihn beispielsweise, alles auszusprechen, was ihm in den Sinn kommt, ohne es zu zensieren, das heißt, ohne das Über-Ich dauernd dazwischenfunken zu lassen.
Auch die Gefühle, die der Patient dem Therapeuten gegenüber hat, spielen in dieser Therapieform eine Rolle. Dies ist auch der Grund dafür, warum Psychoanalytiker besonders zurückhaltend damit sind, dem Patienten allzu viel von sich zu verraten. Der Therapeut soll für den Patienten wie eine weiße Wand sein, auf die er seine bisherigen Erfahrungen projiziert, wie der Analytiker es nennt.
Egal, ob der Patient besonders offen, besonders verschlossen, besonders freundlich oder besonders misstrauisch ist, all das wird der Analytiker nicht als etwas ansehen, das die gemeinsame Arbeit erschwert, sondern als etwas, das ihm hilft zu verstehen, was diesen Menschen geprägt hat.
Eine große Rolle spielen in der Psychoanalyse auch die Träume des Patienten. Für Sigmund Freud waren sie der Weg, auf dem man am schnellsten Richtung Unbewusstes gelangt.
Psychoanalytiker lassen sich nicht dadurch irritieren, dass Träume oberflächlich betrachtet unverständlich oder sogar sinnlos wirken. Sie gehen davon aus, dass man sie gemeinsam mit dem Patienten entschlüsseln und so wertvolle Hinweise über Bereiche der Psyche bekommen kann, zu denen man sonst nur schwer vordringt.
14 Prozent aller kassenzugelassenen Psychotherapeuten sind Analytiker.
Als Nächstes haben wir:
Die Tiefenpsychologie
Die jüngste der Therapieformen ist die sogenannte tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Sie ist eng mit der Psychoanalyse verwandt, weil sie die gleiche theoretische Grundlage hat. Tiefenpsychologen glauben ebenfalls an Es, Ich und Über-Ich und an das Unbewusste.
Hier sind die Patienten gut aufgehoben, die lange Zeit oder in weiten Bereichen mit ihrem Leben ganz gut zurechtgekommen sind, die sich jetzt aber in einer akuten Krise befinden. Mitunter spüren sie auch nur seit einiger Zeit Symptome, von denen sie selbst wissen oder der Hausarzt ihnen bestätigt hat, dass sie keinerlei körperliche Ursachen haben können.
Oft kriegen diese Menschen ihren Alltag noch ganz gut oder zumindest einigermaßen auf die Reihe, fühlen sich aber in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt oder spüren, dass sie in einem Bereich allein nicht weiterkommen.
Im Gegensatz zur Psychoanalyse ist eine Veränderung der Persönlichkeit des Patienten in der tiefenpsychologischen Psychotherapie kein Ziel der Behandlung. Das Instrumentarium der Psychoanalyse, die Förderung der spontanen Gedanken des Patienten, die Betrachtung der Haltung, die der Patient dem Therapeuten entgegenbringt, und die Arbeit mit Träumen sind auch Teil der tiefenpsychologischen Behandlung, jedoch nicht in dem Ausmaß wie in der Psychoanalyse.
Welche dieser zwei Psychotherapieformen für einen Patienten die geeignetere ist, entscheidet sich oft schon bei der Frage des Therapeuten: “Und wann hat das angefangen?”
Kann der Patient diese Frage nach kurzem Nachdenken einigermaßen präzise beantworten, ist eventuell eher eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bei ihm angebracht. Antwortet er hingegen, eigentlich leide er schon unter diesem Symptom, solange er denken könne, ist ihm unter Umständen eher eine Psychoanalyse anzuraten.
43 Prozent aller kassenzugelassenen Psychotherapeuten arbeiten tiefenpsychologisch fundiert.
Und Numero drei ist:
Die Verhaltenstherapie
Entstehungsgeschichtlich zwischen Psychoanalyse und Tiefenpsychologie anzusiedeln ist die Verhaltenstherapie. Meist dauert sie weniger lang als eine tiefenpsychologische Behandlung oder gar eine Psychoanalyse.
Wer der festen Überzeugung ist, es bringe nichts, in der Vergangenheit herumzuwühlen, oder wer schlicht und einfach keine Lust dazu hat, wird sich hier gut aufgehoben fühlen.
Es ist außerdem eine Therapieform, von der Männer sich häufig eher angezogen fühlen, weil es meist einen schönen, übersichtlichen Behandlungsplan gibt.
In jeder Sitzung wird der aktuelle Stand des Problems überprüft. Der Therapeut empfiehlt Übungen, die man zwischen den Sitzungen mach sollte, oder er gibt Hausaufgaben.
Manche Patienten erlernen Entspannungstechniken. Vor allem im Fall von speziellen Ängsten übt der Therapeut mit dem Patienten den Umgang mit den beängstigenden Situationen und begleitet ihn, wo es nötig ist, auch an die Orte, die ihm Angst machen. So kann ein Patient beispielsweise die Angst vor dem Aufzugfahren verlieren, vor bestimmten Tieren, großen Höhen oder weiten Plätzen.
Auch das Paar aus dem Zug mit seiner übersteigerten Angst vor ansteckenden Krankheiten wäre bei einem Verhaltenstherapeuten gut aufgehoben.
35 Prozent aller kassenzugelassenen Psychotherapeuten sind Verhaltenstherapeuten.
Und, falls Sie beim Zusammenzählen wieder nicht auf 100 Prozent kommen: Einige wenige Kollegen sind Psychoanalytiker und Tiefenpsychologen.2
—
Andrea Jolander, Jahrgang 1952, ist das Pseudonym einer bekannten Psychotherapeutin, die seit über dreißig Jahren in diesem Beruf tätig ist. Neben der Arbeit in eigener Praxis hat sie Psychotherapeuten ausgebildet und bei der Gründung einer Beratungsstelle mitgewirkt. Andrea Jolander ist verheiratet und lebt in Baden-Württemberg.
Da gehen doch nur Bekloppte hin ist im Heyne Verlag erschienen, kostet 14,99 Euro bei 224 Seiten und hat die ISBN 978-3-453-20002-9 (Kapitel 2: “Topf und Deckel – Damit es passt”, Seiten 69 – 74).
1 An der Stelle möchte ich erwähnen, dass mir das Wort “Patient” nicht zusagt. Das Wort kommt u. a. daher, weil viele Ärzte in der Psychologie mitgemischt haben und noch immer mischen, darunter auch der bereits erwähnte Neurologe Freud. Da es aber immer, bei jedem, irgendetwas gibt das man psychotherapeutisch thematisieren könnte, wären wir alle “Patienten”. Zweifelsohne gibt es Menschen, auf die dieses Wort eher zutrifft, wenn zum Beispiel ihr ganzer Lebensinhalt nur noch von ihrer “Krankheit” (die ich auch nicht so nennen würde) bestimmt wird, aber viele die eine Psychotherapie machen sollten sind deshalb noch lange nicht “schwer kranke Patienten”, sondern eher Klienten, also Gäste eines Beraters, der ihnen hilft, ihr Leben besser auf die Reihe zu kriegen, als sie das alleine könnten – nicht weil sie nicht “normal” (noch so ein Wort) wären, sondern weil es niemand ganz alleine kann. Wer meint es alleine zu können (und zwar nicht nur meint, sondern es auch tatsächlich tut) vergisst garantiert zu erwähnen, dass er beispielsweise Eltern hatte, die ihn mit dem nötigen Rüstzeug ausgestattet haben. ↩
2 Und noch ein paar Zahlen: “Nicht einmal die Hälfte aller Psychotherapeuten hat eine Abrechnungsgenehmigung für Gruppentherapie, und lediglich 1 Prozent aller Psychotherapien sind Gruppentherapien.” (S. 76) ↩
Dieser Artikel ist verfügbar bis 01.05.2014.

Wie funktionieren Persönlichkeitsstörungen?
Von Alex Rubenbauer, Nürnberg
Was sind Persönlichkeitsstörungen?
Im Grunde sind wir alle zu unterschiedlichen Graden persönlichkeitsgestört. Wir nennen das aber nicht so, sondern wir sprechen von Persönlichkeitsstilen. Wir haben Eigenarten, Charakterzüge, Macken, Ticks.
Von einer Persönlichkeitsstörung kann man sprechen, wenn diese Eigenarten besonders ausgeprägt, unflexibel und situationsunangemessen sind, sich auf das Denken, Fühlen und Handeln des Betroffenen auswirken und er tatsächlich unter der Persönlichkeitsstörung und den “Kosten”, die sie verursacht, leidet.
Das ist der Fall, wenn das eigene Leben aufgrund der Persönlichkeitsstörung zumindest in bestimmten Bereichen zunehmend eingeschränkt wird; die Störung oder ihre “Kosten” also wirklich anfangen zu stören.
Ähnlich der Normalverteilung ist das Gros der Menschen bei relativ normaler geistiger Gesundheit. Es gibt demnach nur wenige sehr gestörte und nur wenige sehr gesunde Menschen, wobei die Abweichungen innerhalb der großen Mitte der “normalen” Menschen auch nochmal sehr deutlich ausfallen.
Es macht im Leben eines jeden Menschen einen großen Unterschied, ob er eher in Richtung gestört tendiert oder in Richtung gesund und wie stark diese Tendenzen ausgeprägt sind.
Fakt ist: Es gibt nicht “gestört oder gesund”.
Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es?
Eine kurzer Auszug:
- Narzisstische Persönlichkeitsstörung
- Histrionische Persönlichkeitsstörung
- Abhängige bzw. Dependente Persönlichkeitsstörung
- Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
- Schizoide Persönlichkeitsstörung (nicht: Schizotypische Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie)
- Paranoide Persönlichkeitsstörung
- Zwanghafte Persönlichkeitsstörung (nicht: Zwangsstörung)
- Emotional instabile bzw. Borderline-Persönlichkeitsstörung
- Dissoziale Persönlichkeitsstörung
- Ängstlich-vermeidende bzw. Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung (nicht: Angststörung)
Was die genannten Persönlichkeitsstörungen ausmacht habe ich an dieser Stelle aufgeführt. Eine detailliertere und von mir selbst verfasste Übersicht wird noch folgen.
Wie unterscheiden sich Persönlichkeitsstörungen von anderen psychischen Störungen?
Persönlichkeitsstörungen unterscheiden sich von Angststörungen (inkl. Panikstörungen) oder Zwangsstörungen dadurch, dass das eigene Verhalten, das aus gelernten Überzeugungen resultiert (den so genannten Schemata), als zu sich gehörend angesehen wird (als ich-synton).
Die Symptome und Auswirkungen von Angststörungen und Zwangsstörungen werden dagegen meist als nicht zu sich gehörend angesehen (als ich-dyston) und werden deshalb auch als störend empfunden.
Natürlich kann ein Symptom oder eine Auswirkung einer Persönlichkeitsstörung ebenfalls als störend empfunden werden. Das passiert jedoch meist entweder in Form von Konflikten in Beziehungen oder anderen “Kosten”, die dann stellvertretend als störend empfunden werden.
Und selbst wenn Symptome oder “Kosten” als störend empfunden werden, so denkt die betroffene Person dennoch, dass sie eben so ist und es deshalb auch gar keinen anderen Zustand geben kann.
Wie funktionieren Persönlichkeitsstörungen?
Persönlichkeitsstörungen zeichnen sich dadurch aus, dass es drei Ebenen gibt: die Motivebene, die Schemata-Ebene und die Spielebene.
Die Motivebene: Die Ebene der wahren Bedürfnisse einer Person
Es gibt eine Motivebene, die jeder Mensch hat. Dort sind interaktionelle Grundbedürfnisse angesiedelt, die man versucht, in seinen Beziehungen zu befriedigen, wie zum Beispiel das Bedürfnis nach Anerkennung, Wertschätzung, Wichtigkeit, Autonomie, der Respektierung eigener Grenzen, etc.
Um diese zwischenmenschlichen Ziele zu erreichen sind bestimmte soziale Kompetenzen nötig, also das Wissen, wie man seine Bedürfnisse in einer bestimmten Situation verbal und non-verbal ausdrücken kann, damit andere die Chance erhalten, diese Bedürfnisse zu erfüllen.
In der Diagnostik geht man übrigens davon aus, dass man von Handlungen einer Person auf ihre Motivebene, also auf ihre Bedürfnisse, schließen kann, sofern die Handlungen authentisch erfolgten.
Die Schemata-Ebene: Die Ebene (falscher) Grundannahmen einer Person
Die Schemata-Ebene enthält Grundannahmen einer Person, die aus ihrer Biografie stammen, also aus den Erfahrungen, die sie im Laufe ihres Lebens gemacht hat. Besonders bedeutend sind hier die Erfahrungen, die ein Kind in der eigenen Familie gemacht hat.
Man unterscheidet zwischen Selbstschemata und Beziehungsschemata, also zwischen Annahmen über sich selbst und Annahmen über Beziehungen im Allgemeinen.
Solche im Laufe des Lebens durch entsprechende Erfahrungen gelernte Schemata können zum Beispiel sein: “Ich bin einer Versager / wertlos / nicht wichtig” oder “Man kann jederzeit verlassen werden / Niemand kümmert sich um mich / In Beziehungen wird man nicht respektiert”.
Wenn einem Kind zum Beispiel immer wieder gesagt oder anderweitig vermittelt wird, dass es nicht wichtig ist / stört / unerwünscht war, wird sein Motiv nach Wichtigkeit frustriert.
Frustrierte Motive verstärken sich jedoch und es entsteht ein Dilemma zwischen dem Wunsch, wichtig sein zu wollen, und der Überzeugung, nicht wichtig sein zu können.
Prinzipiell kann man sagen: Je negativer die biografischen Erfahrungen einer Person waren, desto negativer sind die daraufhin gelernten Schemata.
Die Spielebene: Die Ebene manipulativer Strategien einer Person
Da die Person die Erfahrung macht (auch wenn sie falsch ist), als Person nicht wichtig zu sein, aber wichtig sein zu wollen, wird sie versuchen, ihr Motiv nach Wichtigkeit trotzdem irgendwie zu erfüllen. Hier kommt die Spielebene ins Spiel.
An irgendeinem Punkt in ihrem Leben wird die Person die Erfahrung machen, dass bei einem bestimmten Verhalten ihr Motiv befriedigt wird, wenn sie zum Beispiel besonders lustig oder schlau ist.
Daraufhin werden Strategien entwickelt, wie man sich immer wieder in der jeweiligen Art verhält, die entsprechende für die Person positive Reaktionen hervorrufen, um ihre Ziele zu erreichen, obwohl die Interaktionspartner diese Ziele nicht freiwillig befriedigt hätten.
Zum Beispiel: Ein Kind ist einer bestimmten Person nicht wichtig. Diese wird aber durch entwickelte Ängste des Kindes dazu veranlasst, ihm Aufmerksamkeit zu schenken, die das Kind durch authentisches Verhalten nicht bekommen hätte.
Wenn ein strategisches Verhalten funktioniert, wird es gelernt. Der Haken an der Sache ist: Die Person wird auch weiterhin für manche Leute nicht wichtig sein und kann sie auch nicht zum Gegenteil zwingen.
In der Folge bleibt ihr Motiv nach Wichtigkeit weiterhin frustriert. Zum einen, weil sie weiß, dass sie ihre Ziele anscheinend nur durch manipulatives Verhalten erreichen kann, anstatt dadurch, dass sie einfach sie selbst ist.
Zum anderen verstärken sich frustrierte Motive und werden so wichtig, dass die ebenfalls noch vorhandenen Nebenmotive nicht mehr bewusst wahrgenommen werden. Demnach können sie auch nicht erfüllt werden, was zu einer allgemeinen und schwer zu identifizierenden Unzufriedenheit führt.
Irgendwann wird ihr manipulatives Verhalten durchschaut oder beginnt zumindest, ihre Interaktionspartner zu verärgern oder zu “nerven”. Die daraus entstehenden Konflikte werden aber nicht dem manipulativen Verhalten zugeschrieben, sondern der falschen Überzeugung, dass man eben nicht wichtig ist oder in Beziehungen nicht respektiert wird.
Die dadurch entstehenden selbsterfüllenden Prophezeiungen verstärken das “System” und machen es nicht mehr wirklich lernfähig.
Wie erreichen Menschen mit Persönlichkeitsstörungen ihre Ziele?
Um ihre Interaktionspartner zu bestimmten Verhaltensweisen zu veranlassen bedient sich persönlichkeitsgestörte Person so genannten “Images” und “Appellen”.
Die Images sollen Interaktionspartnern ein bestimmtes Bild darüber vermitteln, wie die Person ist, zum Beispiel “schwach und hilflos”.
Durch anschließende Appelle soll der Interaktionspartner dazu gebracht werden, entsprechend zu handeln, also zum Beispiel Verantwortung für die Person zu übernehmen.
Man unterscheidet zwischen positiven und negativen Appellen: Ein positiver Appell soll den Interaktionspartner dazu bringen, etwas zu tun, was den Zielen der Person zuträglich ist. Ein negativer Appell soll ihn dazu bringen, etwas zu unterlassen, was den Zielen der Person abträglich wäre.
Zusammenfassend gesagt …
Persönlichkeitsstörungen werden im Laufe des Lebens eines Betroffenen meist in der Kindheit entwickelt, weil einerseits Überzeugungen über sich selbst oder andere gelernt werden, und andererseits um wichtige Grundbedürfnisse zu erfüllen, die jeder Mensch hat, die jedoch durch authentisches Verhalten nicht erfüllt wurden.
Da seine Bedürfnisse durch authentisches Verhalten nicht erfüllt wurden, entwickelt der Betroffene Strategien, wie er diese Bedürfnisse trotzdem erfüllt bekommt. Dabei bleibt jedoch sein authentisches Verhalten auf der Strecke, weil er beginnt, andere durch speziell entwickelte Verhaltensweisen zu manipulieren.
Da die Bedürfnisse aber nur durch Manipulationen befriedigt werden und nicht durch authentisches Verhalten, bleiben die Bedürfnisse auch in Zukunft bestehen, da die Person glaubt, dass die Bedürfnisse nicht erfüllt worden wären, wenn sie sich authentisch verhalten hätte.
Die Manipulationen führen irgendwann zu “Kosten”, die aber nicht den Manipulationen zugeschrieben werden, weil diese gar nicht mehr als Manipulationen, sondern als Teil der eigenen Persönlichkeit wahrgenommen werden.
Stattdessen werden die “Kosten” den falschen Überzeugungen über sich selbst oder andere zugeschrieben, was die falschen Überzeugungen und das darauf basierende manipulative Verhalten nur noch verstärkt.
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Das hier aus meinem Gedächtnis wiedergegebene Wissen habe ich dem Buch Persönlichkeitsstörungen verstehen: Zum Umgang mit schwierigen Klienten von Rainer Sachse zu verdanken. Falls Sie tiefergehende Informationen wünschen oder sich aus erster Hand informieren wollen, kaufen Sie dieses nette Büchlein. Es richtet sich zwar an Psychotherapeuten, ich fand es aber sehr verständlich geschrieben.

Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es?
Von Alex Rubenbauer, Nürnberg
Eine kurze Übersicht über die in meiner Einführung in Persönlichkeitsstörungen genannten Persönlichkeitsstörungen, zusammengestellt mit Material aus Wikipedia. Eine detailliertere und von mir selbst verfasste Übersicht wird noch folgen.
Eine Bitte: Hüten Sie sich bitte vor Selbstdiagnostik, nur weil Sie sich oder andere in Teilen in einer oder mehrerer der genannten Persönlichkeitsstörungen wiedererkennen. Wie Sie nach der Lektüre meiner Einführung in Persönlichkeitsstörungen wissen, ist es ganz normal, dass jeder Mensch gewisse Eigenarten ausbildet, die deshalb noch lange keine Störung (also tatsächlich störend) sein müssen. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie betroffen sind, sprechen Sie lieber einmal zuviel mit einem Psychologischen Psychotherapeuten als einmal zu wenig.
Inhaltsverzeichnis
Nachfolgend werden folgende Persönlichkeitsstörungen kurz angerissen, damit Sie sich einen ersten Eindruck verschaffen können:
- Narzisstische Persönlichkeitsstörung
- Histrionische Persönlichkeitsstörung
- Abhängige bzw. Dependente Persönlichkeitsstörung
- Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
- Schizoide Persönlichkeitsstörung (nicht: Schizotypische Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie)
- Paranoide Persönlichkeitsstörung
- Zwanghafte Persönlichkeitsstörung (nicht: Zwangsstörung)
- Emotional instabile bzw. Borderline-Persönlichkeitsstörung
- Dissoziale Persönlichkeitsstörung
- Ängstlich-vermeidende bzw. Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung (nicht: Angststörung)
Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es?
Narzisstische Persönlichkeitsstörung
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung zeichnet sich aus durch mangelndes Selbstbewusstsein und Ablehnung der eigenen Person nach innen, wechselnd mit übertriebenem und sehr ausgeprägtem Selbstbewusstsein nach außen. Daher sind diese Personen immer auf der Suche nach Bewunderung und Anerkennung, wobei sie anderen Menschen wenig echte Aufmerksamkeit schenken.
Sie haben ein übertriebenes Gefühl von Wichtigkeit, hoffen eine Sonderstellung einzunehmen und zu verdienen. Sie zeigen ausbeutendes Verhalten und einen Mangel an Empathie. Es können wahnhafte Störungen mit Größenideen auftreten. Narzissten überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und zerstören aus Neid, was begabtere Menschen aufgebaut haben.
Zudem zeigen Betroffene eine auffällige Empfindlichkeit gegenüber Kritik, die sie nicht selten global verstehen, was in ihnen Gefühle der Wut, Scham oder Demütigung hervorruft. Nicht selten wird deshalb, gerade im familiären Bereich, ein Netz aus Intrigen gesponnen, um sich ins sogenannte „rechte Licht“ zu rücken. Dieses geschieht meist aus Selbstschutz und Angst vor weiterer Kritik. Hierbei werden durch teils erfundene oder übertriebene Zu-Geschichten kritische Menschen herabgestuft.
Die Wahrnehmung für tatsächliche Begebenheiten ist zudem oft stark verschwommen und wird zugunsten der narzisstischen Persönlichkeit entweder geschönt oder es werden Teile der Realität bewusst verfälscht oder weggelassen, um das Ziel der Anerkennung wieder herzustellen, die deren Meinung nach ins Wanken geraten ist oder sein könnte.
Häufig wird hier auch mit großem Selbstmitleid gearbeitet und ein Jammern und Flehen eingeflochten, um die Fürsorge der Mitmenschen zu wecken und die “Unschuld” zu bekräftigen.
Histrionische Persönlichkeitsstörung
Kennzeichnend für die histrionische Persönlichkeitsstörung sind Übertreibung, theatralisches Verhalten, Tendenz zur Dramatisierung, Oberflächlichkeit, labile Stimmungslage, gesteigerte Beeinflussbarkeit, dauerndes Verlangen nach Anerkennung und der Wunsch, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, erhöhte Kränkbarkeit sowie ein übermäßiges Interesse an körperlicher Attraktivität.
Personen mit dieser Struktur verfügen oftmals über hohes schauspielerisches Talent, sie schreiben sich für viele Lebenslagen eigene Rollen zu, die sie perfekt inszenieren.
Falls sie in Situationen, denen sie Bedeutung beimessen, nicht die gewünschte Aufmerksamkeit bekommen, kann dies eine bedrohliche Situation für sie darstellen, in der sie sich hilflos und ausgeschlossen fühlen. Besonders in größerer Gesellschaft kann dies verheerende Reaktionen hervorrufen, denn oftmals greifen diese Persönlichkeiten zu drastischen, schockierenden Mitteln, die in ihrer Abartigkeit gefährlich werden können.
Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung haben die Tendenz zu lügen, erfinden besonders extreme Geschichten oder selbst erlebte Abenteuer, um die Aufmerksamkeit anderer zu erzwingen. Von ihrem Umfeld werden diese Persönlichkeiten häufig als unglaubwürdig eingeschätzt.
Abhängige bzw. Dependente Persönlichkeitsstörung
Die abhängige Persönlichkeitsstörung ist geprägt durch mangelnde Fähigkeit zu eigenen Entscheidungen, ständiges Appellieren an die Hilfe anderer, Abhängigkeit von und unverhältnismäßige Nachgiebigkeit gegenüber anderen, Angst, nicht für sich selbst sorgen zu können und der Angst, von einer nahestehenden Person verlassen zu werden und hilflos zu sein.
Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
Die passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch ein tiefgreifendes Muster negativistischer Einstellungen und passiven Widerstandes gegenüber Anregungen und Leistungsanforderungen, die von anderen Menschen kommen. Sie fällt insbesondere durch passive Widerstände gegenüber Anforderungen im sozialen und beruflichen Bereich auf und durch die häufig ungerechtfertigte Annahme, missverstanden, ungerecht behandelt oder übermäßig in die Pflicht genommen zu werden.
Schizoide Persönlichkeitsstörung (nicht: Schizotypische Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie)
Die schizoide Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch einen Rückzug von affektiven, sozialen und anderen Kontakten mit übermäßiger Vorliebe für Phantasie, einzelgängerisches Verhalten und in sich gekehrte Zurückhaltung. Es besteht nur ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben.
Paranoide Persönlichkeitsstörung
Die paranoide Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch Misstrauen (bis hin zur häufigen Annahme von Verschwörungen, um Ereignisse zu erklären), Streitsucht, dauernden Groll und starke Selbstbezogenheit. Handlungen oder Äußerungen anderer Personen werden häufig als feindlich missgedeutet.
Zwanghafte Persönlichkeitsstörung (nicht: Zwangsstörung)
Die anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch Gefühle von Zweifel, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständige Kontrollen, allgemein große Vorsicht und Starrheit in Denken und Handeln, die sich als Unflexibilität, Pedanterie und Steifheit zeigt.
Typisch ist des Weiteren die übermäßige Beschäftigung mit Details und Regeln, so dass die eigentliche Aktivität oftmals in den Hintergrund tritt. Es können beharrliche und unerwünschte Gedanken oder Impulse auftreten, die nicht die Schwere einer Zwangsstörung erreichen.
Die Fähigkeit zum Ausdruck von Gefühlen ist häufig vermindert. In zwischenmenschlichen Beziehungen wirken Betroffene dementsprechend kühl und rational. Die Anpassungsfähigkeit an die Gewohnheiten und Eigenheiten der Mitmenschen ist eingeschränkt. Vielmehr wird die eigene Prinzipien- und Normentreue von anderen erwartet.
Menschen mit zwanghafter Persönlichkeitsstörung sind meist übermäßig leistungsorientiert und perfektionistisch. Daher erweisen sie sich im Arbeitsleben als fleißig, übermäßig gewissenhaft und übergenau, wobei der überstrenge Perfektionismus die Aufgabenerfüllung mitunter verhindert. Ihre Angst vor Fehlern behindert die Entscheidungsfähigkeit der Betroffenen.
(Wenn Sie Interesse an einem Einblick in Zwangsstörungen haben, empfehle ich Ihnen diese Dokumentation.)
Emotional instabile bzw. Borderline-Persönlichkeitsstörung
Impulsive Handlungen ohne Berücksichtigung der Konsequenzen; häufige, unvorhersehbare und launenhafte Stimmungsschwankungen; Neigung zu intensiven und instabilen Beziehungen, oft mit der Folge emotionaler Krisen; Störungen und Unsicherheit bezüglich des Selbstbildes, Zielen und inneren Präferenzen; anhaltendes Gefühl der Leere; heftige Zornesausbrüche mit teilweise gewalttätigem Verhalten gegen andere oder gegen sich selbst:
selbstverletzendes Verhalten und mangelnde Impulskontrolle, welche ein überdauerndes Erlebens- und Verhaltensmuster darstellen. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und Konflikten mit anderen, insbesondere, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden. Ein wichtiges Kennzeichen dieser Störung ist die große Angst vor dem Alleinsein. Menschen mit dieser Erkrankung haben gelegentlich ausgeprägte Trennungsängste, Verlustängste oder Angst vor Isolation, obwohl kein konkreter Grund dazu gegeben ist.
Dissoziale Persönlichkeitsstörung
Typisch für die dissoziale Persönlichkeitsstörung sind Verantwortungslosigkeit und Missachtung sozialer Normen, Regeln und Verpflichtungen, fehlendes Schuldbewusstsein sowie geringes Einfühlungsvermögen in Andere. Oft besteht eine niedrige Schwelle für aggressives oder gewalttätiges Verhalten, eine geringe Frustrationstoleranz sowie mangelnde Lernfähigkeit aufgrund von Erfahrung. Beziehungen zu anderen Menschen werden eingegangen, sind jedoch nicht stabil.
Ängstlich-vermeidende bzw. Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung (nicht: Angststörung)
Die ängstliche Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch übermäßige Sorge bis hin zur Überzeugung, abgelehnt zu werden, unattraktiv oder minderwertig zu sein. Folgen sind andauernde Angespanntheit und Besorgtsein, der Lebensstil ist wegen des starken Bedürfnisses nach Sicherheit starken Einschränkungen unterworfen. Teilweise sind Betroffene überempfindlich gegenüber Ablehnung oder Kritik.
Mit Material aus Wikipedia.

Wie wird man Psychotherapeut?
Von Alex Rubenbauer, Nürnberg
Eine kurze Übersicht:
- Man benötigt das Abitur als allgemeine Hochschulreife, um an einer Universität das Psychologiestudium beginnen zu können.
- Man macht den Bachelor in Psychologie, was 6 Semester oder 3 Jahre dauert. Als “Bachelor of Science (Psychologie)” ist man noch kein Psychologe.
- Sobald man die Möglichkeit hat, wählt man “Klinische Psychologie” als Ausbildungsschwerpunkt und macht darin seinen Master, was 4 Semester oder 2 Jahre dauert.
- Man ist nun “Master of Science (Psychologie)” (früher: Diplom-Psychologe). Erst jetzt darf man sich Psychologe nennen. Man ist noch kein Psychotherapeut.
- Man macht eine 3 Jahre dauernde Ausbildung zum “Psychologischen Psychotherapeuten”. Jetzt ist man nicht nur Psychologe sondern auch Psychotherapeut.
- Damit man berechtigt ist, seine Leistungen mit den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen, ist es in Deutschland erforderlich, dass die Ausbildung in einer der folgenden Psychotherapieverfahren erfolgt ist: Verhaltenstherapie, Psychoanalyse in Form der Analytischen Psychotherapie oder Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.
Die Gesprächstherapie sowie die Systemische Therapie gelten in Deutschland zwar ebenfalls als wissenschaftlich anerkannt, allerdings sind diese Verfahren bislang noch nicht als von den gesetzlichen Krankenkassen “erstattungsfähig” eingestuft worden. Private Krankenkassen übernehmen jedoch oftmals bereits die Kosten dieser Verfahren.

Das Problem der selektiven Wahrnehmung
Von Alex Rubenbauer, Nürnberg
In der Wissenschaft gibt es zuerst Fakten, und anschließend wird eine Theorie entwickelt, die den zusammenhanglosen Fakten einen Sinn gibt. Diese Theorie wird dann in Experimenten getestet und solange für “wahr” gehalten, bis neue Fakten bzw. neue Erkenntnisse hinzukommen, die der Theorie womöglich widersprechen. Und dann wird die Theorie, die vermeintliche “Wahrheit”, an die Realität angepasst.
Umgekehrt wäre es sehr problematisch. Würde man zuerst eine Theorie entwickeln und dann passende Fakten dazu suchen, würde man sehr schnell der selektiven Wahrnehmung anheim fallen.
Die selektive Wahrnehmung besagt, dass, sobald man ein bestimmtes “Ziel” vor Augen hat oder die Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtem liegt, man eine bestimmte Überzeugung hat oder Ähnliches, alles, was diese Überzeugung bestätigt, wahrgenommen wird, und alles andere ausgeblendet wird.
Im Bezug auf die eigene Persönlichkeitsentwicklung ist es wichtig, sich diesem Mechanismus bewusst zu werden.
Gesundes Denken zeichnet sich durch eine Art von “wissenschaftlicher Herangehensweise” aus, bei der man zuerst die Fakten der Realität sieht und daraufhin sein Handeln und Denken ausrichtet, statt zuerst in einer bestimmten subjektiv-verzerrten Weise zu denken und anschließend entgegen der Realität zu handeln, weil man die Fakten gar nicht sehen konnte oder wollte.
Gesünder denkende Menschen unterschätzen und überschätzen sich weniger, sie überprüfen ihr Denken an der Realität und sehen sich mehr als kleinen Teil des Ganzen, was zu weniger Egoismus führt.
Weniger gesundes Denken zeichnet sich dadurch aus, dass man die objektive Realität am liebsten gar nicht wirklich sehen will oder kann.
Ein extremes Beispiel für ein solches realitätsfernes Anhängen an bestimmten Ideen wäre die Zeit des Nationalsozialismus und der Holocaust.
Aber auch im Alltag kann man ständig diese Beobachtung machen: Menschen hören und sehen nur, was sie sehen und hören wollen, und wehren sich mit Händen und Füßen gegen alles, was ihrer subjektiven Auffassung der Realität zuwiderläuft.

