Minimalismus

 

04.12.2016

"Wie viel bist du wert?"

Von
 

Im amerikanischen Englisch, bzw. in den USA, ist es offenbar üblich, das Vermögen eines Menschen so zu benennen: “He is worth $300 million.”

Und es ist üblich, auf diese Art nach dem Wert seines Vermögens zu fragen: “How much are you worth?”

You? Warum ist ein Mensch, der mehr Geld hat, mehr wert?

Genau das wird nämlich durch diese sprachlichen Feinheiten impliziert, die tief in das kulturelle Verständnis einer kranken Kultur blicken lassen.

 

23.06.2016

Ehrliche Produkte

Von
 

Wir müssen zurück zu ehrlichen Produkten.

Wenigen Produkten, und dafür guten Produkten.

Wir lassen uns finanziell ausnehmen, und das auf immer perfidere Weise. Die Billigwurst vom holländisch-polnisch-deutschen Großschlachter, die fertig verpackt im Supermarkt ausliegt, vermittelt uns den falschen Eindruck, wir würden importierte Qualitätsware von einem kleinen Gutsbauernhof aus Spanien kaufen.

Wir geben zu viel Geld aus für Dinge, deren Gegenwert nur wenige Cent beträgt, und die uns nicht selten sogar körperlich schaden — und in deren Wertschöpfungskette niemand außer die Unternehmensführung profitiert: weder die Gesundheit des Verbrauchers, noch die Mitarbeiter, und schon gar nicht die Tiere oder gar die Umwelt.

Und wir sind sogar selbst daran Schuld: Wir delegieren zu viel, geben zu wenig für das einzelne Produkt aus (und zu viel für unnötige Produkte), und verschließen die Augen, was und wen wir mit unserem Geld eigentlich unterstützen und welche gesellschaftlichen Krisen wir damit befördern.

Indem wir uns weigern, kleinen Herstellern mehr zu bezahlen, machen wir uns selbst zu abhängigen Melkkühen internationaler Großkonzerne, die danach trachten, uns die schlechteste Qualität zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen anstatt bestmöglicher Qualität zum besten Preis.

Dies führt dazu, dass Minderware inzwischen zur mittelpreisigen Standardware wurde und echte Qualitätsware kaum mehr zu finden ist oder so teuer wurde, dass einige sie sich schon gar nicht mehr leisten können.

Wir müssen wieder mehr ausgeben für weniger — und Produkte von Menschen herstellen lassen, die Wert auf ehrliche Qualität legen und denen wir vertrauen können.

 

06.06.2016

Digitaler Minimalismus

Von
 

Digitalisierung ist immer dann minimalistisch und sinnvoll, wenn man zum Beispiel Papierkram, Fotos und Musik aufheben will oder muss, ohne seine Wohnung damit vollzustellen. Vernünftige Datensicherung vorausgesetzt, ist das von langer Dauer und sehr bequem und spart viel Platz und schont (z. B. bei Neuanschaffung von Musik) sogar die Umwelt.

Minimalistisch ist es aber nicht, alles, was irgendwie geht, zu digitalisieren und dann im Datenmüll zu ersticken. Ich habe letztens 800 abonnierte RSS-Feeds auf jetzt noch 30 reduziert, und 100.000 gespeicherte E-Mails auf 4.000. Ich nutze kein Twitter und keinen Facebook-Newsfeed mehr. Ich habe den Newsletter meiner Website eingestellt, benutze keinerlei Statistiken mehr zur Auswertung von Besucherzahlen und habe sogar den Code meiner Website entschlackt.

Man muss auch im Digitalen ein Bewusstsein für Minimalismus entwickeln, dem Prinzip der Datensparsamkeit folgen sowie dem universellen Minimalismus-Prinzip: Für jede neue Datei fallen zwei andere weg.

Es ist nicht minimalistisch, alles, was in der Offline-Welt bisher ganze Schränke voll an Platz gebraucht hat, einfach zu digitalisieren und dann vorzugeben, man sei Minimalist, weil man im Kopf ganz genau weiß, was da eigentlich alles auf seinen Schultern lastet.

Da ist man mit dem kleinen Notebook und der vollen Festplatte zwar gewissermaßen auf den ersten Blick mehr Minimalist als der mit den vollen Schränken statt der vollen Festplatte, aber was bringt es, wenn man dauernd nur vor dem Bildschirm sitzt, um sein digitales Messie-Dasein zu verwalten, und sich von dem Chaos und dem Überfluss weiterhin gestresst fühlt?

 

06.06.2016

Ankommen

Von
 

Ein Gefühl, angekommen zu sein, macht sich breit, wenn man sich von grandiosen, fernen Vorstellungen löst und sich erlaubt, sich mit weniger beziehungsweise dem, was man hat, zufrieden zu geben. Dabei soll die Zu-frieden-heit aus einem tatsächlichen inneren Frieden wurzeln, nicht weil man auf etwas Fernes verzichtet, sondern weil man freiwillig beim Nahen bleiben möchte.

Warum ist das wichtig?

Weil wir heute so viel Auswahl und so viele Möglichkeiten haben, dass es zu einem ernsten Problem wurde. Wie vor nur zwei Generationen der Mangel ernsthafte physische und psychische Probleme bereitete, so ist es heute der Überfluss.

Wir können aus so vielen Dingen wählen, sind so oft genötigt, Entscheidungen zu fällen, dass wir beinahe verrückt darunter werden.1

Mit jedem Gang Richtung Zukunft schafft man ein Stück Vergangenheit, und je näher man der spannenden Ferne2 kommt, desto weiter entfernt man sich von der vertrauten Nähe.

1 Schlimmer noch: wenn Überfluss und Mangel parallel auftreten, wenn beispielsweise jemand, der wenig Geld hat, eine Auswahl treffen muss, und sich keinen Auswahlfehler erlauben darf.

2 Vor nicht allzulanger Zeit war es ein Weltereignis, einen anderen Kontinent zu betreten. Menschen wurden berühmt, weil sie das taten. Heute können wir Filme schauend und Cocktails schlürfend die ganze Welt bereisen.

 

06.06.2016

Der Kauf ist nur der erste Schritt

Von
 

Mit jeder Sache, die wir anschaffen, steigen unsere Kosten. Aber nicht nur, weil wir in aller Regel für die Anschaffung bezahlen, sondern auch der Erhalt kostet ständig Geld: Wir benötigen nicht nur das T-Shirt an sich, wir benötigen auch Wasser und Waschmittel, Platz zum trocknen, Platz zum aufbewahren.

Schaffen wir uns ein technisches Spielzeug an, kaufen wir im Anschluss zusätzliche Hard- und Software oder Medien, die wir darauf konsumieren, und wir verbringen viel Zeit mit der Einrichtung, Nutzung und Wartung. Lagerung, Betrieb (Strom) und Nutzung (Zeit) kosten Geld. Je günstiger der Drucker, desto teurer die Tinte.

Sogar die Entsorgung auf dem Wertstoffhof kostet Geld. Wir müssen dort hin gelangen, wozu wir meistens ein Auto besitzen oder leihen müssen, und für die Entsorgung nochmal extra bezahlen. Und auch zu Hause gilt: Je größer die Mülltonne, umso mehr bezahlen wir der Entsorgungsfirma jeden Monat.

Diese “Nebenkosten” sind nicht zu unterschätzen und sollten bei jedem Kauf bedacht werden.


Inspired by Patrick Rhone.

 

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