Minimalismus

 

24.11.2010

Warum auch ortsunabhängige Minimalisten eine Heimat brauchen

Von , Nürnberg
 

Den Hardcore-Minimalisten Everett Bogue beschleicht gerade eine Art Depression, weil er als Autor mit seinem Notebook von überall in der Welt aus arbeiten kann, aber nirgends ein Zuhause hat. Er sei so gut darin geworden, überall in der Welt neue Menschen kennen zu lernen, dass er vergessen habe, seine alten Freundschaften aufrechtzuerhalten.

Er meint, er laufe die ganze Zeit vor etwas weg, wisse aber nicht, wohin er laufe. Nach zahlreichen verschiedenen Wohnorten lebt er seit einigen Wochen in San Francisco. Er schreibt: “Ich liebe San Francisco so sehr, dass ich für immer hier bleiben könnte. Und das ist, was mir Angst macht.”

John Reese, hauptsächlich bekannt für seine Erfolge im Internetmarketing, hat vor wenigen Monaten ebenfalls mit Minimalismus experimentiert, nachdem er sich “ausgebrannt” fühlte. Er hat also all seine Sachen verkauft und ist mit Notebook und Rucksack um die Welt gereist.

Zwei Monate lang hat er das gemacht und daraus das Fazit gewonnen, dass er diesen Lebensstil ohne festes Zuhause nicht lange durchhalten könne, auch wenn es sehr viel gesünder sei, weniger zu besitzen und sich allgemein viel weniger aufzuhalsen.

Wenn man so viel reist, muss man zumindest hin und wieder für eine längere Dauer an einem bestimmten Ort bleiben, an dem man eine Art Zuhause errichtet, wo man bleiben und sich entspannen kann, ohne im Hinterkopf bereits daran zu denken, wann der nächste Flieger geht, so John Reese.

Das ist auch meine Beobachtung. Ortsungebundene Minimalisten können zwar die ganze Zeit über in der Welt herumreisen. In Taizé habe ich aber gemerkt, dass ich mich gegen Ende der Woche wieder auf mein Wasserbett gefreut habe, obwohl es mir dort sehr gut gefallen hat.

Dass es bereits nach einer Woche soweit war, lag auch am Wetter, denn der fast minütliche Wetterumschwung von eiskalt und nass zu starker Sommerhitze war sehr anstrengend für mich in meinem Zelt. Wenn das Wetter angenehmer ist, könnte ich auch zwei bis drei Wochen mit dem Zelt unterwegs sein.

Wenn ich in Hotels oder bei Bekannten zu Hause schlafen könnte, könnte ich wohl auch ein bis zwei Monate am Stück reisen, aber spätestens dann müsste ich wieder nach Hause, um mich aufzuladen.

Everett hat die Frage gestellt: “Wie kann man in der Welt herumstreunen und trotzdem ein Zuhause haben?”

Meine Antwort an ihn lautete: “Indem man sich irgendwo in der Welt ein Zuhause, eine Heimat, errichtet, zu der man regelmäßig wieder zurückkehrt.”

Diese regelmäßige Rückkehr an diesen “festen Punkt” ist entscheidend. Einen Ort zu haben, der uns “festen Boden unter den Füßen” gibt und wo man die wichtigsten Menschen – Familie und enge Freunde – regelmäßig wieder sieht.

 

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