Minimalismus

 

04.03.2011

Wirtschaft und Eigennutz

Von , Nürnberg
 

Die Aufgabe spirituell Praktizierender ist es, zum Nutzen aller Lebewesen da zu sein. Dazu gehört auch, Eigennutz und Materialismus loszulassen. Gier und Egoismus halten uns im Kreislauf der Existenz gefangen. Wer andere Wesen verletzt, begibt sich auf einen Weg nach unten. Wer Gutes tut, geht aufwärts. Es gibt nur diese beiden Wege. Welchen Weg du gehst, ist nur eine Frage des Geistes. (…) Friede und Glück sind das Resultat eines aufrichtigen Herzens.
—Der Lama in SMS from Shangri-La (ARTE)

Wenn ich ein Unternehmen habe, dessen Aufgabe es ist, anderen Menschen – in welcher Form auch immer – zu helfen und diesen Menschen nützt, und ich verlange (zum Teil) auch Geld für diese Leistungen, das ich wiederum in das Unternehmen investiere, um noch mehr Menschen zu helfen – dann ist das Unternehmen doch in etwa so etwas wie ein buddhistisches Kloster, nur mit dem Unterschied, dass einerseits Geld dafür genommen, andererseits mit diesem Geld aber auch aktiv (statt nur passiv) dafür gesorgt wird, dass andere Menschen einerseits von der Sache erfahren, um davon profitieren zu können und andererseits das Angebot an sich verbessert wird, um den Nutzen für die Menschen zu erhöhen. Hier setze ich natürlich voraus, dass die Produkte oder Dienstleistungen dieses Unternehmens auch wirklich von Nutzen sind und nicht nur aus Profitstreben angeboten werden.

Bleibt noch der Eigennutz: Klar profitieren Mitarbeiter und Inhaber von dem Gewinn der Firma, aber ich denke, man muss zwischen reinem Eigennutz, ohne Mehrwert für andere Menschen zu schaffen, und Eigennutz als Ergebnis des Schaffens von Mehrwert unterscheiden. Warum sollte man nicht in Maßen von seinem positiven Schaffen auf dieser Welt profitieren, um sich selbst ein gutes Leben zu ermöglichen, während man anderen Menschen hilft?

Nicht jede Form von Eigennutz ist per se schlecht. Gier als eine entartete Form von Eigennutz natürlich schon, aber dann ist ohnehin nicht mehr von Eigennutz im Sinne eines Nutzens die Rede.

Wer Eigennutz prinzipiell ablehnt, lehnt im Umkehrschluss auch jeglichen Nutzen für andere ab: Wenn jemand ausschließlich für andere da ist (auch wenn er selbst davon nicht profitiert), ziehen diese wiederum einen Nutzen daraus. Müsste man folglich jegliches Tun einstellen? Ich bezweifle, dass das Sinn der Sache ist.

Den Materialismus als Irrglauben, durch die Anhäufung von materiellen Dingen glücklich(er) zu werden, sollte man natürlich ebenfalls loslassen. Um das zu schaffen, und die daraus entstehenden Vorteile zu verstehen (nämlich Glück bzw. „Happiness“), reicht es manchmal schon aus, eine Woche in völliger Einfachheit zu verbringen. Nichtsdestotrotz ist materieller Besitz nicht grundsätzlich schlecht. Ich besitze zum Beispiel ein Schlagzeug und kann damit ganz wunderbare Sachen anstellen. Warum sollte ich diesen materiellen Besitz loslassen, wenn er doch für viel Positives sowohl für mich selbst als auch für andere sorgen kann? Freude ist auch eine Form von Nutzen.

Wenn man der o. g. buddhistischen Schule folgen würde, dürfte man im Endeffekt keinen oder nur den geringstmöglichen Mehrwert aus seinen erbrachten Leistungen – aus seinem Dasein – ziehen. Eine mögliche Folge wäre, gar kein Geld – noch nicht einmal Spenden – mehr anzunehmen, wie es einige Buddhisten wie zum Beispiel Ajahn Brahm tun. Selbst wenn er seine Leistungen gratis erbringt und Menschen sich gerne „freiwillig“ dafür dankbar zeigen wollen, würde er das Geld nicht annehmen. Mit dem Weg der Mitte haben diese extremen Formen meiner Ansicht nach nicht mehr viel zu tun.

Man kann ein Unternehmen auch „wie ein buddhistisches Kloster“ führen. Man muss nicht seine Seele verkaufen, um Gewinne zu machen. Vielleicht bleiben einem auf diese Weise Wege zu schnellerem und höherem Reichtum verschlossen, aber es kommt ja auch kein normaler Mensch auf die Idee, einen Bankraub zu begehen. Man kann sein Unternehmen führen wie die Westvleteren Brauerei, die von römisch-katholischen Trappistenmönchen betrieben wird, die – Achtung, Eigennutz – genau so viel produzieren und verkaufen, wie sie brauchen, um ihre Existenz als Mönche aufrecht erhalten zu können.

 

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