Persönlichkeitsentwicklung

 

28.11.2016

Extreme vermeiden für eine realistische Spiritualität

Von
 

In diesem Video wird von Mönchen erzählt, die sich im Bestreben, sich ganz der spirituellen Welt zu öffnen, von der elektronischen Kommunikation komplett befreit haben. Was nachvollziehbar klingt und nach besonders guten, entschlossenen Praktizierenden aussehen mag, erscheint nur noch als Leichtsinn und sich selbst in Gefahr bringen, wenn man den Ausgang der Geschichte kennt: Die Mönche starben, weil sie keine Hilfe holen konnten, obwohl sie die Möglichkeit grundsätzlich gehabt hätten, wenn sie ein Telefon mitgenommen hätten.

Ein wichtiger Satz im Video lautet daher auch: Um wirklich spirituell zu sein, muss man realistisch sein.

Was würde Gott sagen, wenn man ihn fragen würde, warum er diese Mönche hat sterben lassen? Vermutlich würde er sagen, was auch jeder Mensch sagen würde: Warum haben sie denn kein Handy mitgenommen, um Hilfe holen zu können?

Die wahre spirituelle Übung hätte doch auch darin bestehen können, Disziplin zu üben, also spirituell zu sein, gerne auch in der Abgeschiedenheit, und dabei dem Drang zu widerstehen, ständig zu telefonieren, um sich abzulenken.

Natürlich hilft Abgeschiedenheit dabei, sich neu zu fokussieren, aber wirklichen Nutzen können wir aus unserer spirituellen Praxis doch nur ziehen, wenn wir sie auch im Alltag anwenden können — inmitten all der Unwägbarkeiten des Lebens, nicht nur in völliger Abgeschiedenheit.

 

06.06.2016

Kontrolle zurück erlangen, Grenzen setzen

Von
 

Steve Pavlina hat in seinem 43. Newsletter folgendes geschrieben:

Many times people end up in stressful situations because they’ve maintained low personal standards. They let other people talk down to them, treat them unfairly and disrespectfully, and take advantage of them. They’re willing to trade their dignity and self-respect for a job, an income, a place to live, a family, etc. But in the end, these decisions so often lead to high stress and a feeling of not being in control. And that loss of self-control ages and kills people much faster. (…) If you find yourself in a stressful situation, then perhaps it’s time to start taking some control back. Raise your standards about what’s acceptable to you in terms of how you’re treated, how you’re willing to invest your precious time, and how you want your physical environment to be maintained. Communicate these standards to others, and if they don’t cooperate, stop dealing with them.

Erst jetzt, wo jemand anderes darüber geschrieben hat, ist mir aufgefallen, was ich in letzter Zeit intensiv tue und auch nicht mehr missen möchte:

Ich habe aktiv die Kontrolle über mein Leben übernommen und ich bestimme, was für mich gut ist und was nicht. Und was nicht gut für mich ist lasse ich gehen.

So war es in letzter Zeit mit Tätigkeiten, Freunden, Verwandten. Ich habe Dinge nicht getan, obwohl es Geld und Bekanntheit gebracht hätte, weil es sich für mich nicht stimmig angefühlt hat.

Ich habe auch gelernt, und bin noch immer dabei (denn das hört nie auf), fleißig Grenzen zu setzen.

Vor nicht all zu langer Zeit dachte ich ich müsste quasi 100% flexibel sein und allen tatsächlichen oder eingebildeten Anforderungen, die an mich gestellt werden, nachkommen – vielleicht weil ich dachte, dass Unflexibilität eine Schwäche oder Unzulänglichkeit ist.

Und dann begann ich damit zu experimentieren. Was, wenn ich mir dieses und jenes nicht gefallen lasse? Was, wenn ich etwas mache, was ich sonst nie gemacht hätte? Was, wenn ich etwas nicht (mehr) mache, was ich sonst immer gemacht habe? Was, wenn ich mich einfach ein bisschen “gehen lasse” statt an mich selbst einen 100%-Maßstab anzulegen während alle anderen um mich herum machen was sie wollen und sich überhaupt nicht darum scheren wie ich das finde?

Ich darf auch einmal nicht perfekt sein. Ich muss nicht immer funktionieren wie man es von mir erwartet oder wie ich glaube, dass man es von mir erwartet. Ich darf sogar komplett ausfallen.

Ich darf meine Meinung jederzeit frei äußern und sagen was mir durch den Kopf geht, auch wenn es in der Konsequenz dazu führt, dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Er wird es überleben. Vielleicht hat er förmlich darum gebeten, dass man ihm eine Grenze aufzeigt. Manche Menschen brauchen andere Menschen, die ihnen Grenzen aufzeigen, weil sie sich selbst zu wenig reflektieren können.

Wenn Sie ungerecht behandelt werden, protestieren Sie. Lernen Sie, Ihre ehrliche Meinung immer und überall zu sagen, und Sie werden sehen, dass Ihr Leben am Ende ruhiger verläuft. Wenn andere Leute Sie nicht mehr bevormunden können, oder Ihnen “Geheimnisse” anvertrauen können, die letzten Endes anderen Menschen schaden, plaudern Sie sie aus. Wenn Ihnen jemand ein Geheimnis anvertrauen will, und Sie somit zum Komplizen machen, sagen Sie, Sie werden es ausplaudern. Wer das nicht möchte, soll es Ihnen bitte nicht anvertrauen.

Artikel verfasst Anfang Dezember 2012.

 

06.06.2016

Urteile anderer Menschen

Von
 

Jeder hat das Recht, uns für einen Affen oder ein Genie zu halten. In jedem Fall ist es nur dessen Versuch, die Informationen um ihn herum zu sortieren. Das hat jedoch in aller Regel nichts mit uns zu tun.

Wir fangen erst dann an zu leiden, wenn wir beginnen zu glauben, dass seine Bewertung etwas mit uns zu tun hätte. Das hat sie aber nicht — es geht nur um dessen Weltsicht und eine Position, die ihm weniger Angst macht.

 

06.06.2016

Gedanken ziehen lassen

Von
 

Wie bei einem Rohr, das zu beiden Seiten offen ist, können wir Gedanken durch uns durchziehen lassen, ohne an ihnen festzuhalten. Sind es Gedanken über das Wetter gelingt uns das in der Regel innerhalb weniger Sekunden. Wir lassen sie mühelos davonziehen, ohne uns besonders dafür zu interessieren. Darum haben sie kaum Auswirkungen auf uns.

Bei Gedanken jedoch die uns interessieren oder aufwühlen machen wir eine Seite des Rohrs zu — sie können nicht abfließen.

Möchten wir eigentlich mit einer Person sprechen, aber am Nebentisch wird etwas gesagt, das uns sehr interessiert, können wir nicht mehr klar denken und die Konversation mit unserem Gesprächspartner gerät ins stocken.

Das Gleiche passiert mit Angstgedanken. Da wir sie nicht einfach loslassen, sondern glauben, sie seien wichtig, und wir sie deshalb anhalten um sie anzuschauen, darüber nachzudenken und sie zu überprüfen, machen wir den Abfluss zu und sind auch hier wieder abgelenkt, so dass wir uns nicht auf die eigentliche Aufgabe oder auf den Menschen vor uns konzentrieren können, weil etwas anderes in unseren Gedanken interessanter oder wichtiger erscheint.

Die Lösung ist, das Rohr einfach zu beiden Seiten offen zu lassen. Dann verpassen wir nichts, fangen aber auch nicht an zu leiden oder anzuhaften.

 

26.05.2016

Bedingungslose Liebe

Von
 

Wir alle werden von Gott bedingungslos geliebt. Egal ob wir Bettler, Student oder Vorstandsvorsitzender sind: Gott verlangt nichts von uns und liebt uns für das, was wir sind. Genau wie gute Eltern ihre Kinder bedingungslos lieben, sie unterstützen, aber ihre Liebe nicht von spezifischen Taten oder Eigenschaften abhängig machen.

Gleichzeitig brauchen wir Gott aber nicht, denn wir sind nicht von ihm abhängig. Genau wie gute Eltern ihre Kinder nicht von sich abhängig machen, sondern darauf hinarbeiten, sie unabhängig von sich zu machen, was deren Liebe zu den Eltern wiederum nicht mindert, sondern ganz im Gegenteil sogar erhöht, so macht uns auch Gott nicht von sich abhängig.

Die besten menschlichen Beziehungen sind diejenigen, die freiwillig und gegenseitig eingegangen werden, ohne dass der eine etwas vom anderen braucht oder verlangt. Erst in einer solchen Beziehung fühlt man sich tatsächlich “gemeint”, nicht als das, was man dem Anderen geben oder was man zur Beziehung hinzufügen kann, sondern als das, was man ist, egal was und wie man ist.

Der "Gott"-Inhalt in diesem Artikel geht auf Neale Donald Walsch zurück, ich möchte den Text trotzdem gerne so lassen, unabhängig von einem konkreten Glauben (oder keinem) von mir oder vom Leser.

 

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