Persönlichkeitsentwicklung

 

04.05.2013

Wie man sich bettet so liegt man

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Kritik kommt bei den meisten Menschen stärker an als sie vom Absender abgeschickt wurde. Sie kann je nach Mensch und Situation um ein unterschiedliches Vielfaches stärker empfunden werden als beabsichtigt.

Wie stark das ankommt war mir lange Zeit nicht wirklich bewusst. Obwohl ich selber sehr feine Antennen für Kritik habe, bin ich ein sehr direkter Mensch. Und ich mag direkte Menschen, bei denen klar ist, was sie denken und was sie erwarten, das aber deshalb trotzdem entspannt rüber bringen, und die im Gegenzug auch in der Lage sind Widerspruch, Feedback und Erklärungen wie z. B. andere Sichtweisen zu respektieren.

Was mich erstaunt, ist, wie leicht sich Leute verscheuchen lassen. Ein Freund von mir hat monatelang nicht mehr mit mir gesprochen, weil ich zu verstehen gegeben habe, dass er sich aus meiner Sicht daneben benommen hat.

Eine Bekanntschaft, die ich sehr geschätzt habe, hat offenbar die Wahrheit nicht hören wollen, dass sie ganz offensichtlich unter ihrer Beziehung zu einem notorischen Fremdgänger leidet und besser bedient wäre, den Stecker zu ziehen. Seitdem herrscht Funkstille. (Vielleicht hat sie die Stecker vertauscht?)

Generell kann es sehr aufschlussreich sein, nicht nur eine Person an sich zu beobachten, sondern auch, wie ihr Umfeld aussieht und mit wem sie sich umgibt.

Ein Narzisst, der sich immer im Vordergrund sehen will, aber keine Kritik verträgt, wird sich mit schüchternen Ja-Sagern umgeben, die ihm nicht die Show stehlen und ihn nicht kritisieren – schon gar nicht vor anderen.

Umgibt sich jemand nur mit eher “kindischen” Personen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er selber noch nicht besonders reif ist, ziemlich hoch, ganz gleich welchen Eindruck die Person an sich auch vermitteln mag (oftmals täuscht der Eindruck ja selbst “sensiblere Antennen” viel zu lange).

Führt jemand eine Beziehung zu jemandem, der ihn im Grunde nicht respektiert, sagt das auch viel über ihn aus, nämlich dass sein Selbstwertgefühl zu gering ist, um die Farce aus eigenen Stücken zu beenden.

Dieses Verhalten ist besonders häufig in Erstbeziehungen anzutreffen, da dort die Verlustangst noch besonders groß ist, weil man nicht weiß, wie so eine Trennung ablaufen könnte und was dann mit einem passiert – währenddessen und danach. (Tipp von mir: Schlimmer als eine miese Beziehung ist eine Trennung in keinem Fall.)

Das beschissene Bekannte wird dem – oftmals mit großer Wahrscheinlichkeit besserem – Unbekannten leider viel zu häufig vorgezogen. Diese Tatsache manifestiert sich nicht umsonst in einem der Lieblingssprüche des Deutschen, der “lieber den Spatzen in der Hand als die Taube auf dem Dach” hat.

Zusammengefasst kann man also sagen:

  1. Kritik lieber erstmal zurückhaltender vorbringen, es sei denn man will sich ohnehin nicht mit Leuten umgeben, die klare Worte nicht vertragen. (Klare Worte heißt natürlich nicht, dass man deshalb beleidigend werden kann o. Ä., sondern nur, dass man möglichst objektiv “die Wahrheit” spricht, oder was man eben dafür hält, ohne um den heißen Brei herum zu reden oder sie gar zu verschweigen.)
  2. Beziehungen zu Energievampiren, überkritischen Personen, Leuten, die dauerhaft mehr nehmen als sie geben, sowie Beziehungen zu nicht authentischen Personen sind zu meiden.
  3. Mit wem sich eine Person umgibt sagt oft viel über ihren Charakter aus.

 

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