Persönlichkeitsentwicklung

 

11.03.2012

Spontane Gedanken über Religion und Taizé

Von , Nürnberg
 

“Wir dürfen nicht mal eine Fliege töten” hat letztens ein Muslim gesagt. Gestalten wie Pierre Vogel vermitteln da leider ein gänzlich anderes Bild vom Islam.

Buddhisten sind wohl sowieso die Harmlosesten unter den Religiösen, und auch Christen haben in ihrer Lehre grundsätzlich die gleichen sinnvollen und wichtigen Lehren wie Buddhisten, Juden und so weiter.

Das Problem kommt mit der Interpretation und der Abspaltung. In dem Moment, wo angefangen wird, mehr zu interpretieren, wo behauptet wird, dass es genau so sein muss wie es in der Überlieferung geschrieben steht, und am schlimmsten, wo behauptet wird, dass die Zugehörigkeit zur eigenen Religion der einzige und wahrhaftige Weg zum Glück oder gar zum “Paradies” ist, entsteht Trennung, Missionierung, Inakzeptanz, Konkurrenz und Hass.

Stellen wir uns mal vor, in einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten lesen Leute meine Texte über Minimalismus und gründen darauf eine Religionsgemeinschaft. Weil ich an die intellektuellen Kapazitäten meiner Leser glaube schreibe ich nicht jede Handlung vor, übertreibe mal hier, untertreibe mal dort, benutze mal hier eine rhetorische Wendung die jemand vielleicht in den ganz falschen Hals kriegt und so weiter, kurz, ich bin einfach Mensch und habe auch nicht die reine objektive Wahrheit.

Und mit Jesus war es vielleicht genau das Gleiche. Vielleicht war Jesus ein kluger Mensch, der den Leuten etwas lehren konnte. Über die Jahrhunderte entstanden zusätzlich Sagen und Interpretationen und das fundamental fehlerhafte Konzept der “wahren” oder “reinen Lehre”, und heute bekriegen sich Leute, die doch im Grunde alle nur das Gleiche wollten, nämlich ein friedliches, zufriedenes, glückliches Miteinander.

Was mich zu Taizé bringt. Dort gibt es dieses Miteinander und es ist soweit auch alles gut und bedarf eigentlich keiner Änderung, bis auf den Punkt, dass es auch hier wieder unter dem Motto einer bestimmten Religion steht. Zwar kommen dort auch Religionsskeptiker und Religionskritiker hin, Atheisten, Konfessionslose, bestimmt auch Buddhisten, Juden (Frère Roger selbst hat Juden, immerhin Angehörige einer “anderen” Religion, vor der Verfolgung durch die Nazis geschützt; allerdings war Jesus angeblich auch Jude) und so weiter, aber die Überschrift lautet doch “Christentum” und damit wohl überwiegend katholische bzw. evangelische Kirche.

Mich würde interessieren, wie ein multikonfessioneller, eigentlich konfessionsloser oder konfessionsferner, Platz ähnlich zu Taizé aussähe und ob man es überhaupt schaffen würde, so etwas zu errichten, wenn es nicht zumindest einen groben “Rahmen” gibt, eine Lehre, die eben jeder kennt oder zu kennen glaubt, die der Veranstaltung gewisse Grenzen auferlegt.

Denn ein Ort wie Taizé ist, und das soll keine Beleidigung sein, gewissermaßen “zu schön”, um unter dem Titel einer bestimmten Religionsgemeinschaft zu stehen. Oder besser ausgedrückt: Ich finde es schade, dass man als konfessionsloser Mensch nicht an einer solchen Gemeinschaft reinen Gewissens teilnehmen kann, weil man eben das Gefühl hat, Jesus “anerkennen” oder genauso eifrig begehren zu müssen wie so manche dort, man das Gefühl hat beten zu müssen, das Kreuz bei sich selbst zu machen, “Amen” zu sagen, über die Bibel sprechen bzw. sie lesen zu sollen und so weiter.

Das ist alles beileibe nichts Schlimmes, aber mein Punkt ist hoffentlich klar. Ich würde mir einen neutralen Ort wünschen, der aber die gleiche Anziehungskraft ausübt, und dessen Besucher genauso akzeptiert sind und ein Gefühl der Ruhe und des Friedens entwickeln dürfen wie in Taizé.

Und am Besten wäre es, wenn die Erde als Ganzes so ein Ort wäre.

 

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