Persönlichkeitsentwicklung

 

15.10.2012

Evolution und Schöpfung

Von
 

Dass die Erde vor rund 6.000 Jahren von Gott erschaffen wurde, wie es die Bibel besagt, halte ich für Quatsch. Aber auch die Evolutionstheorie, und damit in enger Verbindung die Urknalltheorie, erscheint mir ohne ein auslösendes Element, welches ich mir in meiner Einfachheit und Fantasielosigkeit nur als Schöpfung vorstellen kann, nicht logisch. Wobei man selbst hier theoretisch noch weiter fragen müsste, wie denn wiederum der Schöpfer entstanden ist.

Die Biologie mag 99 Prozent der Evolutionstheorie bereits aufgeklärt haben, aber es fehlt ein Prozent. Und dieses Prozent stelle ich als Agnostiker mit Hang zum Deismus mir als “Schöpfung” vor.

Das heißt nicht, dass ein Gott erstmal die ganze Erde erschaffen hat und das womöglich vor relativ kurzer Zeit, aber es würde der Evolutionstheorie keinen Abbruch tun, hätte er gewissermaßen eine “Urzelle” oder ein “Uratom”, wobei das noch zu groß ist, erschaffen, aus dem alles weitere mutiert bzw. entstanden ist, wobei sich auch hier die Frage stellt, woraus all die Materie dann hervorgegangen ist.

Meine Familie ist katholisch. Ich bin vor langer Zeit aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil ich der Meinung bin, dass Glaube nichts mit weltlichen Institutionen, die noch dazu Geld verlangen, und selbsternannten Stellvertretern Gottes zu tun hat. Ich lehne auch die so genannten Heiligen Schriften ab, die nichts weiter sind als ein Sammelsurium von Gedanken und Fantasien, die von Menschen geschrieben wurden wie dieser Text hier auch.

Was mir aber schwer fällt, und das mag womöglich an dem familiären Deismus liegen, ist, mich auf ein atheistisches Weltbild einzulassen.

Gleichzeitig fiel es mir bislang aber auch schwer, wirklich zu glauben, ohne zu zweifeln. Ich habe schon mal “gebetet”, später dann ging ich dazu über eher zu “wünschen”, und meine Bitten habe ich nicht mehr dem “lieben Gott”, sondern eher dem Universum übermittelt. Aber wirklich sicher bin ich mir der ganzen Sache eben auch nicht.

Angeblich werden Menschen glücklich oder zumindest glücklicher, wenn sie wirklich glauben, weil sie dann etwas haben, woran sie sich festhalten können. Sie glauben, auf etwas vertrauen zu können, das größer ist als sie selbst.

Mich hingegen macht zum Beispiel der Gedanke, dass es einen Schöpfer gibt, oder dass wir ständig wiedergeboren werden, nicht unbedingt glücklicher, weil sich mir zu viele Fragen stellen. Am offensichtlichsten ist der Mangel an Vollkommenheit.

Jetzt wird es Gläubige geben, die sagen, alles sei vollkommen, ich müsse es nur sehen. Wenn ich sie frage, was daran vollkommen sein soll, dass der Karies gerade mietfrei bei mir wohnt, kommen sie vielleicht auf die Idee mir zu erklären, dass dies der Förderung der Demut dient, damit wir unsere Grenzen anerkennen.

Wir sollen quasi daran erinnert werden, dass wir eigentlich nichts zu melden haben. Darum müssen wir auch auf Toilette gehen. Spätestens, wenn sich ein despotischer Diktator allen anderen Menschen überlegen fühlt, sollte er auf den Boden der Tatsachen zurück geholt werden, wenn er das nächste Mal Durchfall oder Fieber hat. Nur neigen Diktatoren üblicherweise nicht zur Demut, völlig unabhängig vom Stuhlgang.

Ich hingegen frage mich dann wieder, wieso es in einer angeblich bereits vollkommenen Welt überhaupt Subjekte gibt, die sich als Diktatoren aufspielen, und Trottel, die ihnen nachlaufen, ihre Befehle befolgen und ihre Mitmenschen umbringen.

Kurz gesagt macht mich diese Vorstellung, da mit zu vielen Zweifeln durchsetzt, nicht besonders glücklich.

Tatsächlich habe ich langsam den Eindruck, dass ich mich eher damit anfreunden könnte, wenn es eben keinen Schöpfer und keine Wiedergeburt gäbe.

Der Grund dafür liegt darin, dass ich dann niemandem außer dem Zufall die Schuld an meinen Problemen geben könnte, denn auch meinen Eltern kann und will ich sie nur sehr begrenzt geben.

Ich könnte nicht mehr fragen, warum dies und jenes schlecht ist, warum davon zu viel und davon zu wenig da ist, wieso ich ausgerechnet hier und nicht woanders geboren bin, warum meine Ausgangssituation diese und keine andere ist.

Gleichzeitig fände ich es zwar schade, wenn nach diesem Leben alles vorbei wäre, aber es würde mir vielleicht auch leichter fallen, “angeborene” Schwächen zu akzeptieren, weil ich nicht das Gefühl hätte, diese mit ins nächste Leben nehmen zu müssen. Knappheit von Gütern erhöht eben ihren Wert – ein einfacher psychologischer Trick, der in der Wirtschaft wie im zwischenmenschlichen Leben funktioniert.

Nicht mehr wiedergeboren zu werden wäre, je nachdem, wo man wiedergeboren wird, sehr schade, vielleicht sogar generell. Aber es hätte doch etwas Befreiendes und würde den Blick für die schönen Dinge des Lebens womöglich sogar weitaus effektiver schärfen als jeder Gottesglaube.

Dann kann ich sagen, okay, ich kann sehr glücklich sein, dass ausgerechnet “ich Spermium” nach einer langen, langen Reihe von Vorfahren hier sein darf und diese Dinge sehen darf, die so viele andere Spermien nicht sehen durften, ganz zu schweigen von denen, die es noch nicht einmal zum Spermium gebracht haben.

Und wenn es ein baldiges Ende gibt erscheinen die Probleme weniger wichtig, da ein Ende absehbar ist, und man entwickelt eine größere Dankbarkeit für die Menschen und die Umgebung, die man getroffen und in die man hineingeboren wurde.

Die Menschen, die mir in meinem Leben Gutes getan haben und tun, obwohl sie nicht mussten, und die Gesellschaft, in der ich lebe, in der es eine – wenn auch unvollkommene – im Vergleich zu anderen Gesellschaften ansehnliche medizinische Versorgung und Wohlstand und überwiegend Frieden gibt.

Wenn ich so denke fällt es mir viel leichter, mich als privilegiert zu betrachten, denn die Theorie, dass ein Gott das Ganze hier aufgebaut hat und ich durch unterschiedliche Leben reise, lässt mich viel zu sehr wundern, warum es bei jedem und überall auf der Welt so viele Probleme im Innen wie im Außen gibt und warum “er” es nicht anders erschaffen hat.

 

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