Persönlichkeitsentwicklung

 

01.02.2014

Kann man aus seiner Haut?

Von
 

Wie ihr wahrscheinlich wisst mache ich zur Zeit mein Abi am Abendgymnasium nach, was jetzt noch exakt vier Monate dauert. Am 6. Juni 2014 habe ich es dann geschafft. Deswegen erscheint hier momentan auch nicht besonders viel. Hierfür bitte ich um Entschuldigung.

Um mich besser auf das Abi zu konzentrieren habe ich auch schon einige andere Beschäftigungen eingestellt, z. B. das Schlagzeug spielen, aber es ist doch eine entscheidende Sache ganz bemerkenswert, die sich in den vergangenen Jahren nicht geändert hat und womit ich sicher auch nicht der Einzige bin:

Ich mache alles (oder zumindest das meiste) “auf den letzten Drücker” und dann logischerweise nur das, was zum bestmöglichen Ergebnis bei geringstmöglichem Aufwand führt. Würde die Abiturnote sich wie die physikalische Größe nach Leistung = Arbeit / Zeit berechnen, wäre ich vermutlich auf dem Spitzenplatz. Das mache ich zumindest bei Dingen so, die ich nicht ganz aus eigenem Antrieb heraus tue — anders ausgedrückt, wo mir die intrinsische Motivation fehlt.

Nun bin ich auf einen Artikel von Mareike Ernst gestoßen, in dem sie schreibt:

Dabei kennen wir nicht mal uns selbst, oder vielmehr wollen wir uns nicht realistisch betrachten, sonst ginge damit die Einsicht einher, dass diese eine Person, die wir schon das gesamte Leben bei ihren zum Teil nicht besonders reflektierten Entscheidungen und ausagierten Eigenheiten beobachten können, eine gewisse Konstanz erkennen lässt.

Wir neigen dazu, unsere waghalsigsten Grandiositätsphantasien auf unser zukünftiges Ich zu projizieren, ganz so als wüssten wir nicht genau, dass dieses auch keinen Bock auf Abspülen, nervige Seminararbeiten, Bügeln, Fortsetzungen des Streits mit dem Prüfungsamt oder andere vom gestrigen Ich aufgeschobene Aufgaben hat.

Und genau das ist es. Viele von uns denken, sie würden in Zukunft alles ganz anders machen. Man würde rund um die Uhr mit Leichtigkeit lernen und überall Bestnoten schreiben. Man denke nur an die Vorsätze fürs neue Jahr, die zu fassen ich mittlerweile wohlweislich ganz aufgegeben habe. Oder wenn jemand sagt “ab morgen werde ich” gefolgt von der Beschreibung einer genau gegenteiligen Verhaltensweise als der bisherigen.

Wenn man noch nicht einmal den Zustand des “ab sofort werde ich” unmittelbar gefolgt von der prophezeiten Handlung erreicht hat, d. h. die Motivation aufbringt, gleich jetzt damit zu beginnen, geht die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Verhalten tatsächlich (dauerhaft) eintritt, wohl eher gegen Null.

Auch in Bereichen die zum Beispiel den psychischen Zustand betreffen sieht es nicht anders aus. Man kann an sich arbeiten, man kann sich weiterentwickeln, z. B. indem man Dinge tut, die man vorher gefürchtet hat, oder eine Erkenntnis gewinnt, die einen entspannen oder anders über eine bestimmte Situation denken lässt oder Ähnliches.

Man “verbessert” sich mal “aktiv”, oft mit den Jahren aber ganz automatisch, wenn man achtsam bleibt. Aber letztlich kann man doch nicht aus seiner Haut. Man bleibt man selbst. Man schafft Dinge, die man vorher nicht geschafft hat, aber “komischerweise” fühlt man sich deswegen zumindest subjektiv nicht so viel anders als vorher.

Die Grandiositätsphantasien werden also nicht Realität, selbst wenn man plötzlich Dinge mit relativer Leichtigkeit tut, die man Jahre oder Jahrzehnte gefürchtet hat. Man ist deswegen nicht diese “grandiose Vorstellung” von einem selbst, die man dachte zu sein, wenn man nur eine bestimmte Sache endlich gemeistert hat, denn dadurch hat sich nicht das ganze Selbst geändert, sondern nur ein kleiner Teil.

Man kann sich also nur in kleinen Schritten ändern. Wenn man sich vorstellt, man wäre ein 500-teiliges Puzzlebild, dann ergibt eine Änderung eines Bereiches (z. B. einer bestimmten Angewohnheit, Angst, Verhaltens, Denkweise, Besitz, Beziehungen, …) keine wesentliche Änderung des gesamten Bildes, sondern eben nur von jeweils einem einzigen Puzzleteil.

Nur wer sich oder seine Umstände nach und nach in vielen Bereichen “ändert” wird irgendwann einen Großteil, vielleicht zwei Drittel, des Bildes geändert haben.

Das komplette Bild auszuwechseln ist aber schon allein deshalb unmöglich, weil die Uhr tickt. Denn alle vergangenen Jahre und deren Erfahrungen bilden zumindest den “Hintergrund” auf dem Bild, und diese Puzzleteile lassen sich nicht mehr austauschen. Höchstens die Art, darüber zu denken.

 

Persönlichkeitsentwicklung

Suchen:   

Startseite · Psychologie · Persönlichkeitsentwicklung · Minimalismus · English · Zitate

URL: https://alex.pt/1264 · RSS-Feeds · Kontakt ·