Persönlichkeitsentwicklung

 

18.06.2014

Widersprüchlichkeiten?

Von
 

Ich könnte mir gut vorstellen dass vieles, was ich schreibe, oder zitiere, oder verlinke, oft vermeintlich widersprüchlich erscheint. Manches, weil es falsch verstanden wird, manches, weil ich mich weiter entwickle, manches, weil ich im Grunde nur auf andere Ansichten o. Ä. verweisen wollte, die interessant sind, ohne mir diese zu Eigen machen zu wollen.

Ich sehe das aber eher als eine Art Toleranz und Neugier auf andere Ansichten an. Ein Differenzieren. Mir ist in dem Artikel wichtig, einmal auszudrücken, dass es bei der Informationsvielfalt und auch bei der Komplexität meines eigenen Lebens immer wieder mal zu vermeintlichen oder manchmal sogar tatsächlichen Widersprüchen kommen kann. Ich arbeite aber daran, diese so gut es geht zu reduzieren.

Dass ich mir beispielsweise Gedanken darüber mache, ob Gott überhaupt existiert, hält mich z. B. nicht davon ab, zu glauben, dass es eine Art alles vereinende Energie im Universum gibt, an die ich mich manchmal sogar wende, in der Hoffnung, dass es funktioniert, sich an sie zu wenden, und es hält mich auch nicht davon ab, jemanden zu zitieren, der das Wort “Gott” benutzt, auch wenn ich mir vorstellen könnte, dass er sich darunter eine Art allmächtigen “Vater” vorstellt, was ich mir darunter in meiner aktuellen Lebensphase zum Beispiel nicht vorstellen kann und will. Mir ist da eine “neutralere” Energie lieber als “der eine Gott mit Rauschebart der mich beobachtet”.

Um das kurz aufzuklären: Derzeit würde ich mich als Agnostiker bezeichnen, weil ich das sichere Wissen nicht habe. Ich will mich da nicht “erhöhen”. Ich “glaube” aber an einen Panentheismus, also dass alles eins und energetisch miteinander verbunden ist (was auch wissenschaftlich durchaus annehmbar ist, wenn man sich mal mit dem atomaren Aufbau beschäftigt), und ich schätze viele der buddhistischen Lehren.

Im Übrigen bin ich auch der Meinung dass es “Atheisten” deshalb nicht geben kann, weil diese glauben, zu wissen, dass es keinen Gott gibt. Sie können es aber nicht wissen. Genauso wie Gläubige nur glauben können, dass es einen Gott gibt, so können Atheisten nur glauben, dass es keinen Gott gibt, aber nicht wissen. Darum gibt es für mich im Grunde nur Agnostiker, d. h. zu sagen “ich weiß es nicht” bzw. “ich kann es nicht wissen”.

Jedenfalls war ich auch schon auf Veranstaltungen die sehr kirchennah sind (z. B. in Taizé), obwohl ich die Institution der Kirche mit ihrem Alleinvertretungsanspruch und ihrer zweifelhaften Moral ablehne und zum Beispiel Jesus nicht für “den” Sohn Gottes halte sondern nur für einen wie wir alle es sind. Soetwas habe ich übrigens in Gottesdiensten auch noch nie vernommen, bis auf ein einziges Mal, und zwar in München von Herrn Pfarrer Schießler, der bezeichnenderweise dem ein oder anderen ein Dorn im Auge zu sein scheint.

Aber zurück zum Thema: Ob jemand sein Potential zu jesushaftem Denken und Handeln verwirklicht ist dann freilich die andere Frage. Schießler jedenfalls sagte dass wir im Grunde alle wie kleine Taschenlampen sind, und ob wir leuchten wollen oder nicht — wie Jesus — entscheiden letztlich wir selbst. Zusammen jedenfalls können wir sehr viel Licht in die Welt bringen und damit das Paradies erschaffen. Wir müssen nicht erst auf das Paradies im Jenseits warten (das es möglicherweise gar nicht gibt).

Auch entwickle ich mich natürlich ständig weiter, arbeite an mir und erkenne manche Dinge an mir, sodass etwas, was ich in der Vergangenheit geschrieben habe, auf mich selbst vielleicht gar nicht mehr zutrifft. Zum Beispiel habe ich mich in den vergangenen Jahren nicht an den von mir veröffentlichten Wochenplan gehalten. Weil ich es nicht schaffe. Weil ich es nicht will. Weil ich nicht der Typ dafür bin, der sich nach Plänen, sondern nach seinem inneren Kompass richtet, was nach außen hin vielleicht undiszipliniert wirkt. Aber ich habe gemerkt, dass es trotzdem gut funktioniert, wie ich arbeite. Sehr gut sogar. Also warum zwanghaft anders arbeiten, wenn es nicht unbedingt notwendig ist? Anderen aber hilft der Wochenplan, also ist es in Ordnung, ihn weiterhin bereitzustellen.

Prinzipiell veröffentliche ich viele Dinge auch oder insbesondere deshalb, weil ich denke, dass andere davon profitieren können. Ausprobieren und sehen ob es bei ihm funktioniert muss es dann jeder selbst — oder es eben bleiben lassen. Wenn ich aber denke, dass es hilfreich ist, teile ich es meistens. Ich will nicht alles, was ich irgendwo einmal als gut befinde, selber in meinem Leben 1:1 umsetzen müssen, um “glaubhaft” zu bleiben. Ich hoffe, dass diesen perfektionistischen Anspruch niemand von meinen Lesern an mich stellt, und wenn doch, wäre das der sichere Weg, um enttäuscht zu werden. Ich will inspirieren durch Information, aber kein Vorbild sein, dem man nacheifert. Ich liebe zum Beispiel die Idee des Veganismus, umsetzen konnte ich es bislang nicht. Möglicherweise kommt der Zeitpunkt noch, vielleicht auch nicht. Wichtig ist mir erstmal nur, den Fleischkonsum (und andere tierische Produkte) überhaupt zu hinterfragen.

Denn was will ich im Grunde eigentlich erreichen? Ich will mit dieser Seite einfach nur zum Denken anregen. Zum reflektieren. Das ist der Hauptzweck. Mehr Denken. Ich will nicht alles, was ich hier als gut propagiere, auch selbst leben müssen und ich will nicht mit allem, was sich auf dieser Seite findet, verwechselt werden. Darum ist dieser Artikel sozusagen als “Disclaimer” zu verstehen. Ich will kein Vorbild sein, sondern nur zum Denken anregen. Was dann jeder wie stark und wie genau in seinem Leben umsetzt bleibt ihm überlassen. Oder ob er genau das Gegenteil macht von dem, was ich gut finde, dann aber wenigstens reflektiert und begründet und nicht einfach weil es wo stand, weil es gerade angesagt ist, weil es alle so machen oder weil man das halt so tut oder am schlimmsten, weil man halt einfach nicht nachgedacht hat.

Es wird bestimmt viel reininterpretiert in meine Texte, weil in Texte immer viel reininterpretiert wird, und darum fehlen hier auch oft Beispiele, wenn ich über etwas schreibe. Erstens weil ich faul bin. Zweitens wird mit Sicherheit viel auf mich projiziert was gar nicht so ist. Weil man denkt, der hat das geschrieben, der ist also soundso, der hat das bestimmt selber erlebt, und Beispiele für bare Münze nimmt.

Denn wenn ein Autor Beispiele nennt, ist man oft geneigt, zu glauben, das seien Beispiele aus seinem Leben, obwohl er sich die teilweise mit größter Mühe aus den Fingern saugen muss, weil sie nur den Zweck haben sollen, den Gedankengang dahinter zu verdeutlichen, aber nicht mit der Aussage an sich oder persönlichen Erfahrungen verwechselt werden sollen.

Wenn ich keine Beispiele nenne laufe ich aber Gefahr dass jeder Leser meine Texte interpretiert wie er eben will. Aber ich bin alt, oder besser, weise genug, um zu wissen, dass man mit entsprechendem Aufwand zwar etwas besser sicherstellen kann, dass das, was man ausdrücken wollte, auch genauso rezipiert wird. Aber ich weiß auch, dass der Mensch grundsätzlich alles gefiltert wahrnimmt. Alles, was ich schreibe und ausdrücken will läuft durch den Filter der eigenen Erfahrungen, der eigenen Überzeugungen, des eigenen Weltbildes des Lesers. Größere Genauigkeit in den Ausführungen funktioniert also nur zu Teilen. Grundsätzlich. Und darum mache ich mir oft gar nicht erst die Mühe, sondern hoffe einfach, dass früher oder später, wenn schon nicht sofort, die richtige Interpretation beim Leser entsteht. Falls es denn “die” richtige Interpretation überhaupt gibt. Denn wie gesagt: Das reine, wahrhafte Wissen habe ich natürlich auch nicht.

Auf “die Wahrheit”, die ohnehin oft nur eine persönliche ist, kommt man dann früher oder später sowieso, wenn man erst einmal begonnen hat, nachzudenken.

Wichtig ist mir, das einmal anzusprechen, denn diese Seite soll zwar eine Art “Nachschlagewerk” sein, aber nicht alles ist für jeden zum gleichen Zeitpunkt geeignet. Und auch Autoren gewinnen an Lebenserfahrung und denken vielleicht irgendwann einmal anders über eine bestimmte Sache. Es ist mir dann einfach nicht möglich, meine gesamte bisherige Arbeit immer mit meinem aktuellen Entwicklungsstand abzugleichen. Das ist alles, was ich damit sagen wollte. :-)

 

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