Persönlichkeitsentwicklung

 

14.06.2014

Kurz notiert: Epikurs Glücksvorstellungen

Von , Nürnberg
 

Was ist Glück?

(Es geht nicht um Glück als Schicksal, sondern um den Teil, den man selbst gestalten kann. Die alten Griechen waren sich auch nicht einig, ob Askese oder Hedonismus zum Glück führt.)

Wahres Glück (Eudaimonia) muss schicksalsunabhängig erstrebt werden, und es verlangt eine bewusst und kluge Lebensführung, die über vergängliche Glücksgefühle, beruflichen Erfolg und Reichtum hinausgeht, denn diese Basis wäre zu instabil. Auch wäre ein Leben nur deswegen noch nicht gelungen zu nennen, dazu bedarf es auch noch dem Ich und dem Anderen, Freundschaft, etc.

Seneca meinte: Glücklich sein will jeder, aber wenn es darum geht wie sie das Glücklichsein erreichen können ist ihr Blick getrübt. Warum ist der Blick getrübt? Weil der Mensch sich oft von Affekten (unkontrollierte Gefühle, Triebe) leiten lässt und so auf seinem Lebensweg herumirrt.

Die Glücksphilosophien wollen den Blick schärfen und vor Irrwegen bewahren. Letztlich muss seinen Weg aber jeder selbst finden.

Was ist Glück für Epikur?

Glück ist für Epikur innerer Friede. Epikurs praxisbezogene Lebenshilfe wollte dem Menschen die Ängste nehmen, die ihn an einem unbeschwerten Leben hinderten.

Aristipp begründete den Hedonismus (leiblich-sinnlicher Genuss bzw. Vergnügen als Sinn bzw. Ziel des menschlichen Handelns).

Grund: Statt Leid strebt der Mensch immer Zufriedenheit/Freude/Glück an.

Für Epikur ist die einzig verlässliche Quelle der Erkenntnis die sinnliche Wahrnehmung. Er hat also ein starkes Ursache-Wirkung-Denken (basierend auf Erfahrungstatsachen).

Die Moral ist demnach (im Gegensatz zu Platon, Aristoteles) dem Menschen anzupassen und nicht umgekehrt.

Subjektive Bedürfnisbefriedigung ist der letzte Maßstab, an dem das individuelle Glück auszurichten ist.

Das Glück des Menschen sieht Epikur nicht im gesellschaftlichen Engagement (im Gegensatz zu Aristoteles’ zoon politikon, Gemeinschaftswesen), sondern in der Zurückgezogenheit (Introversion). Dennoch bedarf es natürlich für die Freude am Dasein auch der Freundschaft (gute Beziehungen; für ein Gefühl der Sicherheit/Geborgenheit und damit Lust).

Eine weitere Voraussetzung ist aber die „rechte Einstellung“ zu den Göttern und zum Tod:

Epikur zeigt zunächst auf, dass derjenige nach Glück sucht, der noch dabei ist, Angst und Furcht zu überwinden.

Zur Angst vorm Tod: „Gut“ und „schlimm/schlecht“ beruht auf der Wahrnehmung („Bewertung“). Mit dem Tod gibt es diese nicht mehr. Ich muss mich wenn ich tot bin also nicht länger über den Tod grämen, und solange ich lebe, auch nicht, denn dann bin ich ja nicht tot. Das heißt der Tod ist nicht schlimm, wenn er da ist, und solange er nicht da ist, kann er nicht schlimm sein, sondern höchstens das Denken an ihn (man soll also lieber genießen gehen statt sich Unsterblichkeit zu wünschen).

Genauso wie man sich von nicht zielführenden, unrealistischen Vorstellungen wie der Unsterblichkeit lösen soll, soll man auch seine Einstellung gegenüber den Bedürfnissen verändern:

Epikurs Lust-Schmerz-Kalkül (richtiges Wählen/Meiden von Bedürfnissen/Wünschen)

Es gibt natürliche (also essentielle) und nichtige (entbehrliche) Bedürfnisse/Begierden/Wünsche. (Ich würde das abkürzen und sagen: Es gibt echte Bedürfnisse und es gibt Wünsche.) Die echten Bedürfnisse (Elementarbedürfnisse) sind entscheidend für Gesundheit des Körpers und Beruhigtheit der Seele.

Konkret versteht Epikur unter Lust weder Schmerz im Körper noch Beunruhigung in der Seele zu empfinden:

„Wir halten die Selbstgenügsamkeit für ein hohes Gut. Nicht, um uns in jedem Falle mit Wenigem zu begnügen, sondern damit wir, wenn wir das Viele nicht haben, mit dem Wenigen auskommen, in der echten Überzeugung, dass jene den Überfluss am süßesten genießen, die seiner am wenigsten bedürfen, und dass alles Naturgemäße leicht, das Sinnlose aber schwer zu beschaffen ist, und dass auch Wasser und Brot die höchste Lust verschaffen, wenn sie einer aus Bedürfnis zu sich nimmt.“

Epikurs Hedonistisches Kalkül

Wenn dadurch später noch größere Lust/Freude entsteht soll man auf die augenblickliche Lust verzichten (Tauschgeschäft, Investitionsprinzip).

Weise ist demnach, wer durch das Verwerfen bestimmter Lustarten andere größere erlangt oder durch das Erdulden bestimmter „Schmerzen“ schlimmere Schmerzen vermeidet.

Wer jeder Lust immer nachgibt und nie an die Folgen denkt wäre verweichlicht, leicht verführbar und damit unvernünftig.

Epikur geht hier einen sehr vernünftigen Weg der Mitte (vgl. Edler Achtfacher Pfad im Buddhismus sowie Mesotes-Lehre bei Aristoteles).

Tugend bei Epikur

Tugenden sind für Epikur nur Mittel zum Zweck. Grund: „Wer würde sie für erstrebenswert halten, wenn sie nicht auch Lust erzeugen würden?“

Warum darf die Weisheit nicht auch um der Lust willen erstrebenswert sein? Warum muss sie um ihrer selbst willen, „rein“ sein?

Die Selbstzucht (Selbstdisziplin) ist ja auch nicht um ihrer selbst willen erstrebenswert, sondern weil sie der Beruhigung der Seele dient.

Denn Weisheit, Disziplin, Tapferkeit, Gerechtigkeit, also die Tugenden, schaden nicht nur niemals, sondern sie führen auch immer zur Beruhigung der Seele und damit zu Lust (während Ausschweifung, Feigheit, Ungerechtigkeit die Seele quälen/beunruhigen).

Glücklich ist also nach Epikur …

… wer den Tod nicht fürchtet, Elementarbedürfnissen den Vorzug gibt, Wünsche als optional ansieht, Bedürfnisaufschub betreiben kann (hedonistisches Kalkül) und im Augenblick lebt. Dies führt zusammengenommen zur Ataraxia (Seelenruhe).

Was hilft nach Epikur um im Augenblick zu leben?

Unbekanntes verständlich machen und damit Beunruhigendes ausschalten, Unerreichbares als irrelevant betrachten, Unvermeidbares hinnehmen, Jagd nach Lustgewinn vermeiden. Nicht an Vergangenem und der Zukunft hängen.

Kurz: Sich von den alltäglichen Beeinträchtigungen des Lebens innerlich distanzieren, um ihnen so beizukommen, über den Dingen stehen, und in der Gegenwart wahre Lust/Glück empfinden (führt zu Ruhe, Gelassenheit, Seelenfrieden).

 

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