Persönlichkeitsentwicklung

 

21.09.2010

Warum es wichtig ist, in der Gegenwart zu leben

Von , Nürnberg
 

Das Leben findet nur jetzt, in diesem Augenblick, statt. Alles andere existiert nur in Ihren Gedanken, in Ihrer Fantasiewelt, und hält Sie davon ab, Ihr Leben zu leben.

Bleiben Sie in der Gegenwart, indem Sie Ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das richten, was Sie in diesem Augenblick tun (und wenn es nur “atmen” ist).

Lassen Sie Ihre Vergangenheit und Ihre Zukunft los. Was mal war ist vorbei und was mal sein wird – wer weiß es?

Lassen Sie sich nicht in den ewigen Gedankenstrom hineinziehen.

Seit ich aus Taizé zurück bin, dachte ich schon während des abendlichen Zähneputzens an meine Vorhaben am nächsten Tag.

Als mir das bewusst wurde, habe ich mich an die Zeit in Taizé zurück erinnert. Dort habe ich mich voll und ganz aufs Zähneputzen konzentriert, ohne an Erinnerungen aus der Vergangenheit oder Pläne in der Zukunft zu denken, weil ich aus der Ferne sowieso nichts hätte ändern können.

Ich vermied es auch, den Aufenthalt in Taizé gedanklich zu bewerten, was mich aus der Gegenwart gebracht und ich statt dessen an Vergangenheit und Zukunft gedacht hätte.

Indem ich jedoch in der Gegenwart blieb, konnte mir nichts passieren.

Warum kann uns in der Gegenwart nichts passieren?

Weil wir in der Gegenwart keine Angst haben.

Wir denken nicht daran, dass wir ganz alleine irgendwo in Frankreich sind und erst in acht Tagen wieder zurück können (und acht Tage können die Hölle sein, wenn es einem wo nicht gefällt).

In der Gegenwart denken wir nicht daran, dass unsere Familie und unsere Freunde ganz woanders sind, denn wir erfreuen uns an den Menschen, die jetzt bei uns sind.

Wie schlecht Ihre Umstände auch aussehen mögen – in der Gegenwart sind sie immer zu meistern. Irgendwie. Denn Sie brauchen in der Gegenwart nicht viel. Sie spüren, dass Sie leben, und das Wichtigste ist, Ihre Grundbedürfnisse nach Nahrung und Wärme zu stillen. Dann haben Sie bereits Alles, was Sie brauchen.

Je mehr Sie Ihre Gedanken auf Vergangenheit und Zukunft richten, desto weniger Kraft haben Sie für Ihr LEBEN. Denn Ihr Leben findet immer JETZT statt, in genau diesem Augenblick.

In Taizé gab es zwei Momente, an denen die Konzentration auf die Gegenwart besonders wichtig waren: Zu Beginn, als ich am späten Abend in Taizé ankam, mich zurecht finden musste und absolut niemanden kannte, sowie gegen Ende der Woche bei meinem Umzug ins “Haus der Stille” – als ich mich bereits eingewöhnt hatte und aus meinem dort gewonnenen Freundeskreis “herausgerissen” wurde.

Plötzlich kam ich also aus dem Trubel (immerhin waren 6.000 Menschen dort) in die absolute Stille, wo Menschen, die im gleichen Haus wohnten, nicht miteinander sprachen. Das war anfangs sehr befremdlich und ich fühlte mich, als sei ich plötzlich nicht mehr Teil der Welt – in meinem kleinen, stillen Zimmer ohne Irgendwas außer einem Bett und einem Tisch.

Ich hatte also absolut keine Ablenkungen und merkte, dass der einzige Mensch, der den Unterschied zwischen “Hier geht es mir sehr schlecht” und “Ich nutze die Zeit, um etwas Positives für mich selbst zu erreichen” bis hin zu “Ich genieße die Stille” machen konnte ich selbst war.

Fängt man an, darüber nachzudenken, was man gerade nicht hat, statt sich voll auf die Gegenwart zu konzentrieren und aus ihr das Bestmögliche herauszuholen, macht man sich sein Leben selbst schwer.

Ich weiß, dass diese Woche der größte Albtraum für mich hätte werden können. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es die starke Konzentration auf den gegenwärtigen Augenblick war, welche die Woche in Taizé zur bisher schönsten Woche meines Lebens werden ließ.

Hier also mein praktischer Rat für Ihren Alltag:

Wenn Sie lesen, lesen Sie. Wenn Sie fernsehen, sehen Sie fern (besser noch: Sie sehen überhaupt nicht mehr fern). Wenn Sie essen, essen Sie. Wenn Sie sich hinlegen, um sich zu entspannen, lesen Sie nicht nebenher in einer Zeitschrift. Und das Alles tun Sie in Ihrem Tempo und ohne in Gedanken bereits woanders zu sein.

Das ist nicht immer leicht, aber wenn Sie zwei oder mehr Dinge gleichzeitig tun, brauchen Sie länger, machen mehr Fehler, können Ihr Tun nicht genießen, stopfen Ihren Geist mit allem möglichen Kram voll und stressen sich letztlich nur selbst.

Ich kenne das nur zu gut: Wir fühlen uns, als würden wir “trödeln” und somit unsere Zeit verschwenden, wenn wir nur eine Sache auf einmal erledigen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass das Gegenteil der Fall ist. Sie werden mehr gebacken kriegen und weitaus kreativer sein.

Die Zeit im “Haus der Stille” war für mich gleichzeitig auch eine Zeit, in der ich so viele kreative und humorvolle Einfälle hatte wie selten, weil ich sehr gut mit mir selbst verbunden war.

Für Ihre Kreativität und Ihre Produktivität ist es also von großer Bedeutung, ab und zu einfach nur dasitzen und vermeintlich sinnlos in die Gegend schauen zu dürfen. Tun Sie das lieber ein Mal mehr als ein Mal zu wenig.

Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, denn Sie können Ihr Leben und all Ihre Tätigkeiten nur genießen, wenn Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit voll und ganz dabei sind.

Man kann nichts genießen, wenn man es eilig hat. Oder konnten Sie auf einer Busfahrt jemals die vorbeiziehende Landschaft genießen, während Sie dringend auf Toilette mussten? :-)

 

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