Persönlichkeitsentwicklung

 

17.06.2011

Facebook als Ausdruck der Sehnsucht nach Gemeinschaft

Von , Nürnberg
 

Wir sind zwar vernetzt wie nie zuvor, aber auch so einsam wie nie zuvor.

Ich habe das mal gesagt und mittlerweile weiß ich auch, warum es stimmt. Facebook ist deshalb so beliebt, weil man es „anschaltet“ und anschließend das Gefühl hat, an einer sozialen Interaktion teilzunehmen.

In Wahrheit nimmt man aber an keiner Interaktion teil, die das Leben wirklich bereichert. In den seltensten Fällen entstehen daraus nennenswerte Freundschaften und trotzdem verbringen die meisten Menschen mehrere Stunden täglich in Facebook, die sie anderweitig nutzen könnten.

Freundschaften funktionieren nicht, indem man sich auf einer Website einloggt, sondern indem man miteinander spricht und etwas zusammen unternimmt – persönlich und direkt. Zumindest am Telefon, am besten von Angesicht zu Angesicht.

Twitter und Facebook, wo man mit einem Mausklick entfolgt und entfreundet werden kann, als Ersatz für Beziehungen anzusehen, ist schon in sich absurd.

Nach meinem Aufenthalt in Taizé weiß ich, welch starke Sehnsucht Facebook bedient und warum es deshalb so erfolgreich ist.

Taizé ist ein kleines Dorf in Frankreich, welches von einem ökumenischen Männerorden bewohnt und das ganze Jahr über von Jugendlichen verschiedener Konfessionen1 aus aller Welt besucht wird und wo ich auch sehr viel über einfaches Leben gelernt habe.

In Taizé war es möglich, sich irgendwohin zu setzen (natürlich nicht in ein Haus oder ein Zelt, sondern an eine öffentliche Straße oder einen Platz) und es dauerte nicht lange, dass mich bekannte Gesichter entdeckt haben oder sich anderweitig Gespräche und Freundschaften ergaben.

Das ist das soziale Leben, das wir alle uns insgeheim wünschen.

Stattdessen sitzen wir isoliert in unseren Häusern oder ebenso isoliert in unseren Büros, und dazwischen stehen wir isoliert und blechummantelt im Stau oder hetzen von zu Hause zur Arbeit und wieder zurück, um endlich „entspannen“ zu können. Entweder, indem wir fernsehen (also negative Nachrichten, Dummheit oder Mord anschauen) oder uns bei Facebook einloggen.

Fernsehen ist übrigens nichts anderes als ein Ausdruck nach dieser Sehnsucht, nicht alleine sein zu wollen. Wir wollen Menschen sehen und hören. Wir wollen das Gefühl haben, integriert zu sein und Menschen um uns herum haben.

Warum sonst lassen manche Menschen den Fernseher an, wenn sie das Haus verlassen? Sie lassen ihn an, damit sie das Gefühl haben, nicht alleine zu sein, wenn sie nachts nach Hause kommen und niemand auf sie wartet.

Unsere Gesellschaft ist keine mehr, denn „Gesellschaft“ bedeutet wörtlich den Inbegriff räumlich vereint lebender Personen. Wir bekommen aber voneinander nichts mehr mit. Wir grüßen uns nicht, wenn wir auf der Straße aneinander vorbeilaufen und wir wissen nicht, wer unsere Nachbarn sind.

Wie Sie Ihre Facebook-Nutzung vereinfachen

1. Am besten löschen Sie Ihr Facebook-Konto direkt. Wenn Sie sich das noch nicht zutrauen:

2. Hören Sie auf, die Statusmeldungen Ihrer Facebook-Kontakte zu lesen. Wenn Sie diese lesen wollen, beschränken Sie Ihre Nutzungszeit auf 10 Minuten täglich oder 60 Minuten wöchentlich.

3. Blockieren Sie sämtliche Anwendungen, die sie zu irgendeinem Spiel einladen. An diesen Spielen nehmen Sie nicht teil.

4. Deaktivieren Sie den Facebook-Chat.

5. Antworten Sie nicht auf Nachrichten innerhalb von Facebook, sondern schreiben in Ihr Profil, dass man Ihnen bitte E-Mails anstelle von Facebook-Nachrichten schreiben soll.

Der Grund: Das ist eine zusätzliche Hürde und bei E-Mail sind Ihre Daten „frei“, während sie bei Facebook nicht frei sind.

6. Deaktivieren Sie die Möglichkeit, dass Freunde auf Ihre Pinnwand schreiben können.

7. Nutzen Sie NutshellMail, um sich einmal täglich per E-Mail über das Geschehen informieren zu lassen. So müssen Sie sich nicht bei Facebook einloggen und laufen nicht Gefahr, auf der Seite hängen zu bleiben.

8. Bearbeiten Sie Freundschaftsanfragen ein Mal wöchentlich und loggen sich anschließend wieder aus. Tun Sie nichts weiter als die Freundschaften anzunehmen und sich anschließend sofort wieder auszuloggen.

Seien Sie außerdem extrem wählerisch, wen Sie annehmen. Denken Sie daran: Weniger ist mehr. Verzichten Sie auf Kontakte von früher, mit denen Sie damals schon nichts zu tun haben wollten.

9. Legen Sie einen Filter für E-Mails von Facebook an, die diese mit einem entsprechenden Label „Facebook“ versehen, die Nachricht als gelesen markiert und aus dem Posteingang entfernt (wenn Sie ggf. einmal nachsehen wollen), oder deaktivieren Sie die Facebook-Benachrichtungen2 komplett.

Siehe auch: Warum ich meine Facebook-Kontakte gelöscht habe

1 Ich bin konfessionslos, seit ich vor einigen Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten bin. Ich sympathisiere mit der „panentheistischen Weltanschauung“ (also der Ansicht, dass „Alles Eins“ und wir ein unmittelbarer Teil Gottes sind) und finde auch viele Lehren aus dem Buddhismus sinnvoll und beachtenswert.

2 Facebook > Konto > Kontoeinstellungen > Benachrichtigungen

 

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