Persönlichkeitsentwicklung

 

08.04.2012

Was wir bereuen, wenn wir sterben

Von
 

Die Palliativpflegerin Bronnie Ware hat nach einigen Jahren der Arbeit mit Sterbenden einen Eintrag in ihrem Blog mit dem Titel Regrets of the Dying veröffentlicht. Dieser Artikel verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet und wurde mittlerweile von über drei Millionen Menschen gelesen. Kurz darauf veröffentlichte Bronnie ein Buch: The Top Five Regrets of the Dying (auch gedruckt und auf Deutsch erhältlich). In diesem Artikel habe ich ihren Blogeintrag ins Deutsche übersetzt.

Ich habe mehrere Jahre in der Palliativpflege gearbeitet. Meine Patienten waren also drauf und dran zu sterben, weil sie an unheilbaren Krankheiten litten. Ich war in den letzten drei bis zwölf Wochen ihres Lebens bei ihnen und habe unglaubliche Geschichten gehört.

Menschen reifen enorm, wenn sie mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert sind. Ich habe gelernt, jemandes Fähigkeit zu wachsen niemals zu unterschätzen. Einige Veränderungen waren phänomenal. Jeder brachte eine Vielfalt an Emotionen, Ablehnung, Furcht, Wut, Verleugnung, Reue und letzten Endes Akzeptanz mit. Jeder Einzelne fand seinen Frieden bevor er ging.

Wenn ich sie danach gefragt habe, was sie bereuen oder was sie in ihrem Leben gerne anders gemacht hätten, kam es immer wieder auf die gleichen Punkte. Das sind die häufigsten fünf:

1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein Leben so zu leben, wie ich es für richtig halte, und nicht wie andere es von mir erwarten.

Dieser Punkt wurde am häufigsten genannt. Wenn Menschen bewusst wird, dass ihr Leben bald vorbei ist und sie offen darauf zurückblicken, ist es leicht, zu sehen, wie viele Träume unerfüllt geblieben sind. Die meisten Menschen haben nicht einmal die Hälfte ihrer Träume erfüllt und starben in dem Wissen, dass es an ihren Entscheidungen lag, die sie getroffen oder nicht getroffen haben.

Es ist entscheidend, sich zumindest einen Teil seiner Träume zu erfüllen. In dem Moment, in dem du deine Gesundheit verlierst, ist es bereits zu spät. Gesundheit bringt eine Freiheit mit sich, die wenige erst erkennen, wenn es zu spät ist.

2. Ich wünschte, ich hätte nicht so hart gearbeitet.

Das kam von jedem Mann, den ich gepflegt habe. Sie haben die Jugend ihrer Kinder verpasst und kaum Zeit mit ihren Partnern verbracht. Es gab jedoch auch Frauen, die diesen Punkt bereuten. Da die meisten jedoch der älteren Generation angehörten, waren eher die Männer die Geldverdiener. Alle Männer bereuten es zutiefst, dass sie so viel Zeit in der Tretmühle des Arbeitslebens verbracht haben.

Indem du deinen Lebensstil vereinfachst und bewusste Entscheidungen triffst, ermöglichst du dir weniger Geld zu brauchen als du denkst. Und indem du mehr Platz in deinem Leben schaffst wirst du glücklicher und offener für günstige Gelegenheiten.

3. Ich wünschte, ich hätte meine Gefühle ausgedrückt.

Viele Leute unterdrücken ihre Gefühle um “Frieden” mit anderen zu bewahren. Letztlich führen sie eine deshalb eine mittelmäßige Existenz und werden niemals der, der sie hätten sein können. Viele haben wegen der Verbitterung und dem Groll, die sie deshalb mit sich herumschleppen, Krankheiten entwickelt.

Wir können die Reaktionen anderer nicht kontrollieren. Wenn du jedoch beginnst, offen und ehrlich zu sprechen, hebt dies die Beziehung mit anderen auf eine gänzlich neue, gesunde Ebene – oder es befreit die ungesunde Beziehung aus deinem Leben. In beiden Fällen gewinnst du.

4. Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden behalten.

Kurz bevor sie sterben haben sie meistens nicht verstanden, worin die Vorteile alter Freundschaften liegen und es war nicht immer möglich, die alten Freunde wiederzufinden. Viele waren so mit ihren eigenen Leben beschäftigt, dass selbst enge Freundschaften im Sand verlaufen sind. Oft wurde bereut, dass man Freundschaften nicht die Zeit und Mühe gewidmet hat, die sie verdient hätten. Jeder vermisst seine Freunde, wenn er stirbt.

Jeder hat Mühe, Freundschaften aufrecht zu erhalten, wenn man ein beschäftigtes Leben führt. Aber angesichts des Todes verliert Materielles an Bedeutung. Zwar wollen die Leute ihre Finanzen in Ordnung gebracht haben, aber es ist nicht Geld oder Status, der noch für sie zählt. Sie wollen ihre Finanzen vielmehr in Ordnung bringen für diejenigen, die sie lieben. Meistens sind sie dafür jedoch bereits zu krank, weshalb es am Ende nur noch um Liebe und Beziehungen geht. Das ist alles, was in den letzten Wochen des Lebens zählt: Liebe und Beziehungen.

5. Ich wünschte, ich hätte mich selbst glücklicher sein lassen.

Das kam überraschend häufig. Viele haben erst an ihrem Lebensende verstanden, dass sie sich bewusst für Glück – Fröhlichkeit und Zufriedenheit – hätten entscheiden können. Sie haben sich verfangen in alten Mustern und Gewohnheiten. Die Macht der Gewohnheit und der Komfort des Altbekannten bestimmten ihre Gefühle und ihre Leben. Angst vor Veränderung brachte sie dazu, anderen und sich selbst zu erzählen, dass sie zufrieden wären. Tief in ihrem Innern sehnten sie sich danach, wieder aus ganzem Herzen lachen und albern sein zu können.

Auf dem Sterbebett ist es dir egal, was andere von dir denken. Wie schön wäre es, bereits lange bevor du stirbst loslassen und wieder lächeln zu können.

Zu leben ist eine Wahl. Es ist DEIN Leben. Wähle bewusst, wähle weise, wähle ehrlich. Wähle Fröhlichkeit, wähle Zufriedenheit.

Artikel als Kurzzusammenfassung erschienen am 11.01.2012, als vollständige Übersetzung am 08.04.2012. Übersetzung: Alex Rubenbauer

 

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