Psychologie

 

06.01.2013

Psychologie in Österreich studieren

Von , Nürnberg
 

Es gibt in Österreich fünf staatliche Universitäten, die ein Psychologiestudium anbieten. Das sind die Universitäten Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt, Graz und Wien.

Diese Unis erheben außer dem ÖH-Beitrag keine Studiengebühren von EU-Bürgern (Nicht-EU-Bürger: 363,36 Euro pro Semester). Der ÖH-Beitrag beträgt 17 Euro pro Semester und entsteht durch die Pflichtmitgliedschaft aller Studenten zur „Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH)“.

In Österreich gibt es keinen Numerus Clausus (NC) auf Psychologie, sondern einen Aufnahmetest, den alle Bewerber machen müssen, egal ob sie aus Österreich, Deutschland oder anderswoher kommen.

Der Psychologie-Aufnahmetest in Österreich

Der Aufnahmetest findet einmal im Jahr Anfang September an allen Universitäten gleichzeitig statt. Man muss sich also für eine Universität entscheiden. Der „Unkostenbeitrag“ für die Anmeldung zum Aufnahmetest beträgt 30 – 50 Euro.

Die Aufnahmeprüfung für Psychologie in Österreich besteht aus drei Teilen und sämtliche Fragen sind im Multiple-Choice-Verfahren zu beantworten.

Im ersten Teil werden Fragen zu rund 200 vorher bekannt gegebenen Seiten aus dem Psychologie-Lehrbuch von Philip Zimbardo („Psychologie“, 18. Auflage, 2008, Pearson) gestellt. Dieser Teil wird mit 46,7 % (also 35 Punkten von 75 Punkten) gewichtet.

Der zweite Teil betrifft die Methodik, also formal-analytisches Denken. Dieser Teil wird mit 26,7 % (20 Punkten) gewichtet.

Im dritten Teil werden Fragen zu in der Prüfung zu lesenden englischen Texten aus dem Bereich Psychologie gestellt. Dieser Teil wird ebenfalls mit 26,7 % (20 Punkten) gewichtet.

Vorbereiten kann man sich nur auf den ersten Teil.

In Klagenfurt beziehen sich die Fragen allerdings nicht auf das Psychologie-Lehrbuch von Philip Zimbardo, sondern auf das von David Myers („Psychologie“, 2. Auflage, 2008, Springer), sowie auf den universitätseigenen „Reader ‚Einführung in das Bachelorstudium Psychologie‘“. Dieser kann per E-Mail angefordert werden.

Salzburg bietet einen Bonus für Bestnoten

Eine kleine Sonderregelung hat Salzburg, denn dort werden Bonuspunkte für jede Note „Sehr gut“ im Abitur- bzw. Maturazeugnis vergeben, und zwar in den vier Fächern Englisch, Mathematik, Deutsch (bzw. der jeweiligen Unterrichtssprache) und Biologie.

Pro Fach mit Bestnote werden also zu den Punkten der Aufnahmeprüfung 6,25 Punkte addiert (also maximal 25 Punkte als Bonus möglich).

Eine Eins würde auch akzeptiert, wenn man z. B. Biologie nur im Schuljahr des Abiturjahres hatte, aber nicht darin Abitur gemacht hat.

Wo hat man die besten Chancen?

Die größten Chancen hat man sicher in Graz und Klagenfurt, da die Städte Innsbruck und vor allem Salzburg aufgrund der Nähe zu Deutschland sehr beliebt sind, und Wien an sich schon sehr beliebt ist.

Grundsätzlich kann man sagen: Je weiter die Uni von Deutschland weg ist, umso weniger deutsche Bewerber nehmen tatsächlich an der Aufnahmeprüfung teil, wobei Wien hier möglicherweise eine Ausnahme bilden könnte, aber das kann ich anhand der mir vorliegenden Zahlen nicht beurteilen. In Salzburg sind etwa 75 Prozent der Bewerber Deutsche, in Graz etwa 25 Prozent.

Die Bewerberzahlen weichen allerdings von den tatsächlichen Teilnehmerzahlen an der Aufnahmeprüfung zum Teil sehr stark ab.

Ausnahme: Private Universität UMIT in Hall in Tirol

Wer das nötige Kleingeld von 2.800 Euro pro Semester aufbringen kann, kann auch an der privaten Universität UMIT in Hall in Tirol studieren — nur 12 km von Innsbruck entfernt. Für den Bachelorstudiengang werden 65 Personen pro Jahr zugelassen, für den Master 45 Personen.

Zugangsvoraussetzungen sind neben bestandenem Abitur/Matura (sowie für den Master ein entsprechender Bachelorabschluss) ein Motivationsschreiben sowie ggf. ein Aufnahmegespräch. Im Aufnahmegespräch geht es ebenfalls um die Studienmotivation sowie die persönliche Eignung für das Studium.

Bewerbungen sind bereits vor dem Vorliegen der entsprechenden schulischen oder universitären Abschlüsse möglich. In diesem Fall müssen der Bewerbung die letzten Jahrgangszeugnisse bzw. eine Leistungsübersicht (Transcript of Records) beigelegt werden. Die Aufnahme erfolgt dann vorbehaltlich des erfolgreichen Abschlusses der vorangegangenen Qualifikation.

Geeignete Bewerber werden fortlaufend aufgenommen (first-come, first-served), bis alle Plätze belegt sind. Demnach kann die Bewerbung jederzeit erfolgen. Wenn alle Plätze belegt sind, wird man auf eine Warteliste eingetragen, da manche Bewerber ihre Studienteilnahme noch absagen.

Zwischen Bewerbung und Aufnahme vergehen zwei Wochen bis zwei Monate, je nachdem ob ein Aufnahmegespräch erforderlich ist und wann hierfür ein Termin gefunden wird.

Wenn man sicher gehen möchte, einen Studienplatz zu erhalten, sollte man sich vor Juni bewerben, da anschließend mit der Warteliste begonnen wird. Der Bachelor war bisher immer voll belegt, im Master gab es in der Vergangenheit in der Regel noch unvergebene Plätze.

Wo also hin?

Die insbesondere für Studenten nicht unerheblichen Lebenshaltungskosten werden vor allem durch die Mietpreise bestimmt und diese sind in Salzburg, Innsbruck und Wien am höchsten und in Graz und Klagenfurt am geringsten.

Wer lieber in eine größere Stadt möchte sollte nach Graz oder Wien gehen, wer lieber eine familiäre Atmosphäre hätte sollte nach Salzburg oder Klagenfurt.

Wer sein Studium schnell abschließen möchte oder muss, sollte aufgrund des in Sommer wie Winter gleichmäßig hohen Freizeitwerts in Innsbruck überlegen, ob die Stadt überhaupt in Frage kommt. Erfahrungsberichten zur Folge studiert man dort gerne wesentlich länger. Gleichzeitig muss man sich Innsbruck jedoch auch finanziell leisten können.

Wer Psychotherapeut werden möchte sollte aufgrund des großen Augenmerks auf klinische Psychologie Klagenfurt in Betracht ziehen.

In Österreich wird angeblich mehr Wert auf mündliche Beiträge gelegt als in Deutschland, zum anderen werden offenbar häufiger kleinere Prüfungen geschrieben statt wenige große, was den Vorteil hat, dass die Semesterferien meistens auch tatsächlich Ferien sind und nicht zu all zu intensivem Lernen genutzt werden müssen.

Die jährlichen Semesterferien gibt es in Österreich einen Monat im Februar sowie drei Monate von Juli bis September.

Studienwahl gut überlegt?

Zu viele Studenten beginnen ihr Psychologiestudium mit völlig falschen Erwartungen.

Es sollte jedem bewusst sein, dass man nach dem Bachelor noch nicht einmal Psychologe ist und selbst nach dem Master noch nicht therapeutisch tätig werden darf. Dies kann man nur nach einer weiteren drei- bis fünfjährigen Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten, welche mindestens 20.000 Euro kostet und selbst finanziert werden muss.

Gerade Psychologie sollte nur aus wirklicher Überzeugung und aus echtem Interesse für das Fach als Wissenschaft studiert werden, denn es gibt kürzere und einfachere Wege zu einem sozialen, helfenden oder therapeutischen Beruf.

 

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