Psychologie

 

06.01.2013

Was Psychologiestudenten erwartet

Von , Nürnberg
 

Man darf mit Patienten keinen Sex haben, das lernt man schon in der ersten Stunde. Die Hälfte der Studenten kommt nie wieder. (Anger Management)

Den am Psychologiestudium Interessierten und Unentschlossenen sei gesagt, dass es sich empfiehlt, sich genauere Gedanken über die Wahl dieses Studiums zu machen. In wohl keinem Studium klaffen Vorstellung und Realität soweit auseinander wie bei Psychologie.

Sich Gedanken darüber zu machen warum sich wer wie verhält mag zwar immer ein äußerst spannender Zeitvertreib sein. Dass man im Studium aber hauptsächlich Mathematik (Stochastik), (Neuro-)Biologie und vieles andere Abstrakte und Theoretisches lernen muss, bevor man erst einmal in die Nähe von Klienten kommt, sollte berücksichtigt werden. Ein Großteil der Fachliteratur ist ferner auf Englisch.

Der Bachelor dauert mindestens drei Jahre, der Master nochmal mindestens zwei Jahre, vorausgesetzt man bekommt einen Masterplatz, denn auch dort gibt es einen NC, der erfüllt werden muss, oder zumindest Aufnahmetests, die geschafft werden müssen. Zusätzlich sind längere unbezahlte Praktika u. a. in der Psychiatrie vorgeschrieben, die man meist in den Semesterferien absolviert.

Wer Psychotherapeut werden möchte muss darüber hinaus mindestens eine weitere selbstfinanzierte, drei- bis fünfjährige Ausbildung machen, zu der man sich erneut bewerben und zugelassen werden muss. Eine Zeit, in der man Vollzeit arbeitet, ohne wirklich etwas zu verdienen. Die Kosten für die Ausbildung betragen im Schnitt mindestens 20.000 Euro. Diese Kosten werden von niemandem übernommen.

Auch werden dann weniger Verhaltensweisen von Freunden und Bekannten, sondern tiefergehende Störungen behandelt, die auch nicht jedermanns Sache sind und im eigenen Umkreis womöglich gar nicht oder zumindest nicht oft auftreten.

Generell nützt es also für das Studium erstmal garnichts, gerne mit Menschen zu tun zu haben, sich einfach so für Menschen zu interessieren oder zu glauben, als Therapeut sitze man nur da, höre zu und werde auch noch dafür bezahlt.

Bis es soweit ist – und auch währenddessen – ist harte kognitive und mentale Arbeit nötig und die volle Aufmerksamkeit auf den Klienten – vor, während und nach einer Sitzung –, die nicht viele kompetent erbringen können und deshalb gleich von vornherein besser die Finger davon lassen sollten — nicht zuletzt der Klienten zuliebe.

Zusammenfassend kann man sagen: Psychologie zu studieren und eine Ausbildung zum Psychotherapeuten zu machen ist wohl einer der härtesten weil umfassendsten und forderndsten Studiengänge — zeitlich, finanziell, intellektuell und mental.

Obendrein ist eine eigene Praxis keine Lizenz zum Gelddrucken, denn es müssen Weiterbildungen, Fortbildungen, Literatur, diagnostische Tests, etc. bezahlt werden. Wer keine Stunden abhält, verdient auch nichts. Urlaub und Krankheit kommt einen also mindestens doppelt so teuer zu stehen. Dazu kommen unternehmenstypische Ausgaben für Praxismiete, Ausstattung, Werbung, Versicherung, die Abwicklung der Finanzen und sonstiger Bürokratie, Steuern, Mitgliedsbeiträge, Zwangsabgaben und -gebühren, etc.

Noch dazu hat sich die Unsitte eingebürgert, dass Kassenplätze nicht nur (viel zu stark) limitiert werden, sondern von Psychotherapeuten, die in den Ruhestand gehen, auch nicht einfach zurückgegeben, sondern an Nachfolger verkauft werden. Wer nicht bereit ist, diese zweifelhafte, mindestens fünfstellige Investition zu tätigen, darf folglich keine Kassenpatienten behandeln.

Hat man dann Kassenpatienten, müssen Berichte geschrieben werden, was den vermeintlichen Verdienst pro Stunde effektiv mindestens halbieren dürfte, insbesondere, wenn man seine Sitzungen auch noch vor- und/oder nachbereitet.

Zu guter Letzt: Der verbreitetste Irrtum ist, dass ein Psychologiestudium einen selbst heilen kann. Wem es darum geht, der sollte einen Psychotherapeuten aufsuchen und nicht unbedingt selbst einer werden. Man kann sich nicht selbst therapieren. Schon gar nicht auf Grundlage des theoretischen Wissens von der Uni. Und ein Interesse für ein spezifisches, sich selbst oder Bekannte betreffendes Problem ist noch lange kein Interesse an einer ganzen Wissenschaft.

 

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