Psychologie

 

14.06.2014

Kurz notiert: Aktive Sinngebung bei Viktor Frankl

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Viktor Emil Frankl entwickelte die Logotherapie (nach gr. “logos”: nicht nur Vernunft/Verstand, sondern auch Sinn), die den Sinn ins Zentrum stellt.

Frankl kam ins KZ und verlor dort Frau und Angehörige.

Noogene Neurose nach Frankl: Wurzelt in tiefem Sinnlosigkeitsgefühl.

Früher stand Sexualität im Vordergrund der Therapie, später Suizidalität und Süchte – beides Ausdruck von Sinnlosigkeitsgefühlen.

Frankl unterscheidet Glück und Sinn strikt.

Gesellschaftlich wird häufig propagiert, dass ein intensives Ausleben der Sexualität Glück verspricht. Dies führt aber häufig zu Leistungsdruck. Frankl verallgemeinert hieraus: Wer Glück/Lust direkt anpeilt, vertreibt sie in diesem Maße. Dies ist die Paradoxie des Glücks.

Grund: Hyperintention (Starke Absicht) führt zu Hyperreflexion (Aufmerksamkeit) und damit zu Verspannung/Verkrampfung/laufender Selbstbeobachtung. Ein Teufelskreis ist die Folge. Entrinnen durch Dereflexion (nicht mehr aufs Ziel fixieren). Die „Paradoxe Intervention“ schlägt also vor, sich nicht mehr auf sich selbst (bzw. das Ziel) sondern einfach auf etwas anderes im Außen, den Anderen, zu konzentrieren.

(Beispiel dazu: Eine Versuchsperson, die sich für ein Experiment bewusst entspannen sollte. Er war dadurch hyperintentioniert/-reflektiert, und dadurch unentspannt/angespannt, bis er die Aufmerksamkeit abzog, weil er keine Lust mehr hatte und sagte “Schluss damit, ich kann das einfach nicht”. Dann erst konnte er sich entspannen, was am Messgerät zu sehen war.)

Glück basiert auf Sinn, nicht auf Bedürfnisbefriedigung. (Grund: Es gibt auch Sinnlosigkeitsgefühle in der Überflussgesellschaft, und Sinn/Glück kann selbst unter widrigsten Umständen gefunden werden (Krieg, KZ, Katastrophen, …)).

Sinn wird gefunden durch Selbsttranszendenz, der völligen Hingabe an eine Sache/Person (bei Sache aber nur mit personalem Bezug).

Kurz: Der Sinn ist ständig neu zu finden und kann auch in jeder Situation gefunden werden.

Es ist überlebenswichtig, einen Sinn zu finden. Die reine Bedürfnisbefriedigung reicht nicht. (Beweis: 93% der amerikansichen suizidalen Studenten waren physisch/psychisch gesund und materiell befriedigt.)

Frankl kritisiert Abraham Maslow (vgl. Bedürfnispyramide) darin, dass ein Sinn gerade dann gebraucht wird, wenn es einem am schlechtesten geht, wenn also die Grund- und mittleren Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Der Sinn ist also kein Sahnehäubchen (Bertolt Brecht: “Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.”), sondern lebensnotwendig.

 

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