Psychologie

 

03.02.2011

Warum wir ständig völlig gedankenlos E-Mails abrufen

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Wie kann es eigentlich sein, dass ein normal kluges Gehirn völlig fanatisch nach E-Mails schauen will, ständig nach Updates auf den Social Media Plattformen sucht, oder Newsseiten mehrfach täglich besucht?

Dazu kommt dann das Smartphone-Geglotze. Und zwar in einer völlig irrationalen Größenordnung.

Das hat was mit dem Pavlov Hunde Ding zu tun. Wo der Hund angerannt kommt, wenn die Glocke klingelt. Weil er weiß, dass es jetzt was zu futtern gibt.

Das fängt damit an, dass die Glocke geklingelt wird, wenn der Hund am fressen ist. Und dann kommt der Hund angerannt wenn die Glocke klingelt.

Sobald die Glocke klingelt, wird Dopamin freigesetzt. Das Gehirn freut sich und das Verhalten festigt sich.

Und das Gleiche passiert wenn man die E-Mails zwischendrin abruft, oder das Signal ertönt wenn E-Mails automatisch abgerufen wurden. Analog zur Glocke, die klingelt: “Jetzt gibt’s was zu futtern…”

So eine kleine „Mini-Freude“ für zwischendrin. Dopamin für E-Mail-Junkies und Internetforen-Süchtige.

Das denkende Hirn hat in dem Moment nicht viel zu sagen. Jedenfalls bis man sich darüber bewusst wird, was da eigentlich abgeht.

Derzeit habe ich 6617 ungelesene E-Mails. Keine davon ist Spam.

Es ist sehr befreiend.

Ich schaue mir den Absender und die Betreffzeile an. Was diese Hürde nicht schafft, wird nicht gelesen.

Und alle paar Wochen bis Monate wird dann einfach alles nochmals überflogen und als gelesen markiert.

Mit der Post mache ich das ähnlich. Was nicht gleich wichtig aussieht, bleibt liegen und wird am Ende der Woche oder später gelesen. Es funktioniert einwandfrei.

Problematisch wird es, wenn das Gehirn dieses Unterbrechungsverhalten noch einen Schritt weiter geht. Und zwar dann, wenn es Ordnung haben will, und verlangt, dass jede E-Mail sofort als „gelesen“ markiert wird. Weil es das Gefühl gibt etwas geschafft zu haben.

Also noch ein paar Dopamin-Moleküle fürs Hirn. Dann hat man ein ernsthaftes Problem, weil man dann das Wesentliche nicht mehr vom Unwesentlichen trennt. Pareto würde abkotzen.

Das Problem ist, dass diese kleinen, vom Gehirn automatisierten Unterbrechungen die Konzentration und Effizienz völlig kaputt machen.

Aber jetzt, wo Sie wissen was da eigentlich abgeht, können Sie ganz bewusst das Verhalten ändern.

Zum Beispiel indem Sie das E-Mail-Programm nicht nebenbei offen lassen.


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