Psychologie

 

15.06.2014

Kurz notiert: Vieldeutigkeit von Aussagen bei Friedemann Schulz von Thun

Von
 

Jede Aussage/Nachricht hat vier Seiten:

  1. Appell
  2. Selbstoffenbarung
  3. Sachinhalt
  4. Beziehungsaussage

Das heißt:

  1. Was ich von dir möchte
  2. Was ich von mir mitteile
  3. Worüber ich dich informiere
  4. Wie ich zu dir stehe

Jede Nachricht enthält sprachliche und nichtsprachliche/nonverbale Anteile (Mimik, Gestik, Tonfall).

Darum entscheidet man noch: Kongruente (Aussage passt zu Mimik: “Ich bin sauer auf dich” – wütendes Gesicht) und Inkongruente Nachrichten (“Es geht mir gut” – trauriges Gesicht).

Es gibt Menschen mit übergroßen/überempfindlichen Ohren für eine bestimmte Seite.

Die Dekodierung (Empfangene Nachricht oftmals ungleich abgesendete Nachricht) hängt ab von Erwartungen, Befürchtungen, Vorerfahrungen einer Person, kurz der Person selbst.

Wie kann man gezielt Missverständnisse reduzieren (von vornherein, aktiv)? Welche Faktoren für gelingende Kommunikation gibt es?

  1. Innere Klarheit
  2. Authentizität
  3. Drei Empfangsvorgänge auseinanderhalten
  4. Metakommunikation betreiben
  5. Aktives Zuhören
  6. Ich-Botschaften nutzen

Innere Klarheit: Sich klar werden was man will/denkt/fühlt macht Aussagen klarer.

Kongruenz/Authentizität: Gefühle und Ausdruck/Kommunikation stimmen überein.

Drei Empfangsvorgänge auseinanderhalten: Etwas wahrnehmen (sehen, hören) → interpretieren (kann richtig oder falsch sein) → fühlen (ist Tatsache) (→ Reaktion)

Metakommunikation als Lösung bei Konflikten (Kommunikation über die Kommunikation): Gute, explizite Metakommunikation verlangt Einblick in die eigene Innenwelt (was wollte ich denn wirklich damit sagen) und Mut zur Selbstoffenbarung (so war etwas wirklich gemeint). (Problem: Es kann auch hier wieder missverstanden werden, bzw. wieder die gleichen Fehler gemacht werden, das wäre dann nur eine Ebenenverlagerung.)

Aktives Zuhören: Paraphrasieren/Deuten/Reflektieren des Selbstoffenbarungsteils des Anderen (Empathie; durch dessen Augen sehen) und ihm als Deutungsversuch in Frageform wiedergeben: „Du meinst also dass du dich ziemlich allein gelassen fühlst?“

Ich-Botschaften: „Ich“-Sätze formulieren statt „wir“ oder „man“. Nicht: „Ich ärgere mich, weil du immer…“ oder „Immer machst du…“, sondern „Ich fühle mich … wenn du …“. So vermeidet man provozierende, verallgemeinernde Anschuldigungen (ergo: konfliktmindernd). Nicht „Aus dir wird nie etwas werden.“ sondern „Ich mache mir Sorgen um dich.“

 

14.06.2014

Kurz notiert: Tiefenpsychologie

Von
 

Sigmund Freud: Begründer der Psychoanalyse/Tiefenpsychologie

Motive/Gründe für Denken/Fühlen/Handeln größtenteils unbewusst, dadurch bereits erhebliche Einschränkung der menschlichen Freiheit (Determination).

Persönlichkeit zweifach gegliedert („topologische Struktur“):

1. Instanzenmodell: Es, Ich, Über-Ich (Aufgaben im Rahmen der Persönlichkeit)
2. Grad der Bewusstheit: Unbewusst (beschämend/bedrohlich/verdrängt; größter Teil), Vorbewusst (mehr oder weniger willentlich erinnerbar; mittlerer Teil), Bewusst (gerade aktuell; kleinster Teil) (Eisbergmodell)

Zum Instanzenmodell:

Ich ist Vermittler zwischen Es (Triebe) und Über-Ich (Moral, Ideale) sowie zwischen Innen- und Außenwelt. Das Ich ist also der praktische Verstand, das Realitätsprinzip.

Alle Instanzen enthalten unbewusste, vorbewusste und bewusste Regionen.

Zum Eisbergmodell:

Unbewusste Inhalte kommen z. B. durch Träume ins Bewusstsein. Darum Traumdeutung für Freud Königsweg zum Unbewussten (kein direkter Zugang durch Erfragen).

Alternativ entwickelte Freud die „freie Assoziation“: einfach alles sagen, was einem in den Sinn kommt. Dadurch evtl. Kristallisation verborgener Wünsche/Absichten/Erlebnisse/Gedanken/Konflikte.

Triebkontrolle

Möglichkeiten der Triebkontrolle des Es durch das Ich: Befriedigung, Aufschub, Verzicht, Abwehr.

Abwehr erfolgt durch Verdrängung ins Unbewusste oder Verschieben in erlaubte Richtung:

Abwehrmechanismen

1. Projektion (Schuld ist der Tennisschläger, nicht der Spieler)
2. Verschiebung auf sicheres Ziel (Hass auf Chef ablassen beim Azubi)
3. Intellektualisierung (selbstwertschonende Begründung: „… ist bestimmt sowieso schlecht“)
4. Reaktionsbildung (Verwandlung ins Gegenteil, dadurch überzogen/unnatürlich; Übertriebene “Liebe” statt Hass)
5. Regression (Rückfall in frühere/kindliche Muster)
6. Sublimation (Umleitung in akzeptierte Form: Kultur, Sport, Technik, …; Ersatzhandlung; Libido → kreative Tätigkeiten)

 

14.06.2014

Kurz notiert: Aktive Sinngebung bei Viktor Frankl

Von
 

Viktor Emil Frankl entwickelte die Logotherapie (nach gr. “logos”: nicht nur Vernunft/Verstand, sondern auch Sinn), die den Sinn ins Zentrum stellt.

Frankl kam ins KZ und verlor dort Frau und Angehörige.

Noogene Neurose nach Frankl: Wurzelt in tiefem Sinnlosigkeitsgefühl.

Früher stand Sexualität im Vordergrund der Therapie, später Suizidalität und Süchte – beides Ausdruck von Sinnlosigkeitsgefühlen.

Frankl unterscheidet Glück und Sinn strikt.

Gesellschaftlich wird häufig propagiert, dass ein intensives Ausleben der Sexualität Glück verspricht. Dies führt aber häufig zu Leistungsdruck. Frankl verallgemeinert hieraus: Wer Glück/Lust direkt anpeilt, vertreibt sie in diesem Maße. Dies ist die Paradoxie des Glücks.

Grund: Hyperintention (Starke Absicht) führt zu Hyperreflexion (Aufmerksamkeit) und damit zu Verspannung/Verkrampfung/laufender Selbstbeobachtung. Ein Teufelskreis ist die Folge. Entrinnen durch Dereflexion (nicht mehr aufs Ziel fixieren). Die „Paradoxe Intervention“ schlägt also vor, sich nicht mehr auf sich selbst (bzw. das Ziel) sondern einfach auf etwas anderes im Außen, den Anderen, zu konzentrieren.

(Beispiel dazu: Eine Versuchsperson, die sich für ein Experiment bewusst entspannen sollte. Er war dadurch hyperintentioniert/-reflektiert, und dadurch unentspannt/angespannt, bis er die Aufmerksamkeit abzog, weil er keine Lust mehr hatte und sagte “Schluss damit, ich kann das einfach nicht”. Dann erst konnte er sich entspannen, was am Messgerät zu sehen war.)

Glück basiert auf Sinn, nicht auf Bedürfnisbefriedigung. (Grund: Es gibt auch Sinnlosigkeitsgefühle in der Überflussgesellschaft, und Sinn/Glück kann selbst unter widrigsten Umständen gefunden werden (Krieg, KZ, Katastrophen, …)).

Sinn wird gefunden durch Selbsttranszendenz, der völligen Hingabe an eine Sache/Person (bei Sache aber nur mit personalem Bezug).

Kurz: Der Sinn ist ständig neu zu finden und kann auch in jeder Situation gefunden werden.

Es ist überlebenswichtig, einen Sinn zu finden. Die reine Bedürfnisbefriedigung reicht nicht. (Beweis: 93% der amerikansichen suizidalen Studenten waren physisch/psychisch gesund und materiell befriedigt.)

Frankl kritisiert Abraham Maslow (vgl. Bedürfnispyramide) darin, dass ein Sinn gerade dann gebraucht wird, wenn es einem am schlechtesten geht, wenn also die Grund- und mittleren Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Der Sinn ist also kein Sahnehäubchen (Bertolt Brecht: “Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.”), sondern lebensnotwendig.

 

28.03.2014

Was ist schon normal?

Von
 

“Ausgehend vom lateinischen Wortsinn (norma: Regel, Muster, Maßstab, Vorschrift, leitender Grundsatz) ist die Norm eine Art Durchschnittswert der gemeinsamen Beschaffenheit einer Klasse von Gegenständen, im Blick auf den der einzelne Gegenstand als “normal” oder “anormal” bezeichnet wird.”1

Ich mag es, wenn Menschen auf den Ausspruch “Der/die/das ist doch nicht normal” kritisch fragen, “was ist denn schon normal?”. Denn “genormte” Menschen kann niemand brauchen, und auch Intoleranz gegenüber Abweichungen von der “Norm” kann nicht gut sein.

Aber es gibt aufgrund der obigen Definition tatsächlich einen Unterschied zwischen “normal” und “genormt”, denn demnach ist “normal”, was dem Durchschnittswert entspricht bzw. diesem möglichst nahe kommt.

Und Menschen können sehr wohl mehr oder weniger dem Durchschnitt entsprechen. Und um herauszufinden, was diesen Durchschnitt ausmacht, bedarf es “nur” der Beobachtung und Erfassung bestimmter Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen einer repräsentativen Anzahl von Menschen.

Und so wie nichts falsch daran ist, dem Durchschnitt zu entsprechen, ist auch nichts falsch daran, mehr oder weniger von dieser “Norm” abzuweichen, solange man niemandem (insbesondere niemand anderem) damit schadet.

1 Glossar: Norm, Ethikos 12, Oldenbourg Verlag, 2010

 

02.02.2014

Kann Belohnung demotivieren?

Von
 

Kann es negative Auswirkungen haben, jemanden für etwas zu belohnen, das er auch ohne Gegenleistung tun würde?

Wenn jemand etwas um der Sache Willen tut, einfach weil es ihm Spaß macht, sprechen wir von intrinsischer Motivation — sein Anreiz liegt in seinem Inneren.

Was passiert, wenn wir nun anfangen, ihn für seine Arbeit zu bezahlen?

Er wird sich über das zusätzliche Geschenk freuen und noch begeisterter weitermachen?

Nicht ganz. Die Belohnung, die es eigentlich nur oben drauf geben sollte, verstärkt zwar kurzzeitig das bisherige Verhalten, verdrängt über kurz oder lang aber die intrinsische Motivation zugunsten der extrinsischen Motivation — dem äußeren Anreiz.

Statt der Tätigkeit als solcher wird dann die Belohnung als “Objekt der Begierde” empfunden.

Fällt die Belohnung weg, fällt damit auch die ursprünglich “bedingungslose” Motivation unter ihr Ausgangsniveau und die Tätigkeit wird ohne Bezahlung womöglich nicht länger auf dem gleichen Niveau aufrecht erhalten werden. Zumindest jedoch wird die ursprüngliche Motivation hierdurch temporär frustriert.

Da dieser Effekt jemandes Antrieb “korrumpiert”, nennt man ihn auch den Korrumpierungseffekt.

 

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